Rezensionen · Sachbücher/Biographien

Rezension „Weihnachten in Amsterdam“ von Yvette van Boven ★★★

Hat mit Amsterdam nur wenig zu tun und Weihnachtsstimmung kommt auch nur mässig auf.

Dieses Kochbuch aus dem Dumont-Verlag durfte ich im Rahmen einer Kochleserunde bei Lesejury lesen.
Hier wurde gekocht, gebacken, erzählt und Tipps ausgetauscht und es hat richtig Spaß gemacht sich die Bilder der anderen MitleserInnen anzusehen und deren Meinung dazu zu lesen.
Leider konnte ich an der Leserunde nicht mit dem Elan und Einsatz teilnehmen wie ich es geplant und gewollt habe, was am Arbeitsstress lag. Vielleicht kam auch deshalb beim Kochen und Backen der Rezepte nicht wirklich Weihnachtsstimmung bei mir auf.

Am Ende gibt es eine Verlinkung zu einem Rezept, das ich aus dem Buch herausgepickt und nachgekocht habe und welches bei einer Abstimmung auf Twitter, Facebook und Instagram das Rennen machte.
Und nun kommen wir auch schon zu meiner Rezension.

© Pink Anemone

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Weihnachten bei Yvette van Boven

Festlich beleuchtete Grachten, schneebedeckte Hausboote, geschmückte Straßen und urholländische Gemütlichkeit – in der Weihnachtszeit ist Amsterdam stimmungsvoller denn je.
Yvette van Boven, die charmanteste Köchin der Niederlande, nimmt uns mit in ihre Heimat und versorgt uns mit über hundert einfachen Wohlfühl-Rezepten und vielen nützlichen Tipps für ein entspanntes Fest. Denn sie weiß, wie man es sich an kalten Tagen gutgehen lässt und sich perfekt auf Weihnachten einstimmt: von süßen Sachen für zwischendurch wie Brioche-Schnecken mit roten Früchten oder heißer Ingwer-Schokolade über Kürbiscremesuppe mit Sternanis und Flusskrebsschwänzen bis hin zum Festtagsperlhuhn mit Prosecco-Soße.
Um die Planung des Weihnachtsessens zu erleichtern, finden sich am Ende des Bandes vielfältige Menüvorschläge: Egal, ob Sie einen Brunch für die ganze Familie, ein romantisches Dinner zu zweit oder ein kaltes Buffet für viele Freunde geplant haben – mit diesem Kochbuch sind Sie bestens vorbereitet, um die Feiertage voll und ganz genießen zu können … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Aber es muss natürlich nicht Weihnachten sein, um etwas Leckeres für andere zu kochen. Ein romantisches Winteressen zu zweit, eine große Silversterparty mit Freunden, ein Adventsnachmittag für die Nachbarschaften – in diesem Buch ist für jeden Anlass etwas dabei. Denn zusammen kochen und zu essen ist doch das Schönste, was es gibt.“
(S. 8)

Die Niederländische Küche ist ein kulinarisches Kultur- und Länder-Sammelsurium, welches vor allem von der britischen, französischen und deutschen Küche geprägt wurde. Trotzdem haben die Niederländer ihre eigene spezielle Hausmannskost.
Die Niederländische Küche ist die Küche der Eintöpfe, Frikadellen und vor allem der Borrelsnacks. Borrelsnacks sind quasi die Tapas der niederländischen Küche, welche bei einem gemütlichen Treffen von Freunden/Familie aufgetischt werden. Also wenn das nicht entspannt und gemütlich klingt.
Ich erwartete also ein weihnachtliches Kochbuch mit eventuell ein paar typischen Borrelsnacks, Eintöpfen und was Holland eben noch so zu bieten hat.
Dann wollen wir mal einen Blick in dieses Kochbuch werfen und schauen, ob meine Erwartungen erfüllt wurden.

© Pink Anemone

Das Cover war für mich gleich ein besonderer Hingucker und auch das Schmökern darin macht Spaß, was vor allem an den stimmungsvollen Bildern liegt. Wenn hier jedoch nicht hin und wieder ein Bild von Christbaumkugeln vorhanden wäre, hätte es auch ein allgemeines Herbst-Winter-Kochbuch sein können. Von Amsterdam selbst sieht man hier nicht wirklich viel.

© Pink Anemone

Dafür gibt es zu jedem Rezept ein großartiges Bild des Endproduktes, welches einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. So viel zum ersten optischen Eindruck, doch was verbirgt sich zwischen diesen wundervollen Bildern?

© Pink Anemone

Wie viele Weihnachtsbücher beginnt auch dieses mit Tipps und Tricks für ein entspanntes Weihnachtsessen. Angefangen bei der Planung, Umsetzung, wie man Stress vermeidet, bis hin zu einer kleinen Checkliste. Für mich war da jetzt nichts Neues zu entdecken, doch für manchen anderen sind hier sicher einige nützliche Tipps zu finden.

© Pink Anemone

Das Buch ist in verschiedene Themen unterteil, wie z.B.: Getränke, Suppen, Vorspeisen, Hauptgerichte, etc. Auch Rezepte für den Vorratsschrank und Menüvorschläge sind enthalten.

Doch, oh weh, wo ist die Niederländische Hausmannskost? Wo sind Eintöpfe, Frikadellen, Kroketten und Waffeln?
Die niederländische Autorin lässt zwar in ihren Kochtopf blicken, doch in diesem brodelt wohl eher selten etwas Niederländisches.
„Weihnachten bei Yvette van Boven“ wäre ein passenderer Titel für dieses Kochbuch gewesen, denn mit Amsterdam, bzw. mit den Niederlanden hat es nur wenig zu tun.

Einige Rezepte enthalten exotische Zutaten, benötigen viel Vorbereitung und sind eben nicht mal schnell zusammengerührt. Eine entspannte Weihnachtsküche sieht für mich anders aus.

„Wenn Sie die Beeren im Oktober pflücken und in Gin einlegen, können Sie den Sloe Gin an Weihnachten trinken. Noch besser wird er allerdings, wenn Sie damit noch ein bis zwei Jahre warten.“
(S. 54 – Die wohl längste Vorbereitung für ein Weihnachtsgetränk)

© Pink Anemone

Zudem beinhaltet fast jedes Rezept Alkohol und das oft nicht unbedingt wenig. Wenn man zu den Gerichten auch noch alkoholische Getränke serviert, liegt man bereits beim Hauptgang besoffen unterm Tisch. Nun ja, auch eine Art zu entspannen. Für Kinder und trockene Alkoholiker sind diese Rezepte also eher weniger geeignet, falls man diese 1:1 nachkochen möchte.

Wo wir auch schon beim nächsten Manko wären – dem 1:1-Nachkochen. Ich habe einige Rezepte daraus nachgekocht, doch es musste bei den meisten Gerichten etwas abgeändert werden. Entweder, indem ich den Alkohol oder auch andere Zutaten ersetzte oder ganz weggelassen habe, um ein schmackhaftes oder gelungenes Gericht zu erhalten. Nicht immer lag es an meinem persönlichen Geschmack, sondern das es sonst allgemein nicht so hinhauen wollte.

© Pink Anemone

Als begeisterte Hobbyköchin war das für mich kein Problem, doch Kochanfänger könnten hier eventuell verzweifeln, ergo – nix mit entspannter Weihnachtsküche.

Bei dem Kapitel „Dessert“ fand ich tatsächlich nichts, was mich ansprach. Ich habe noch nie so viele Rezepte mit Baiser auf einem Haufen gesehen (Baiser-Haselnussrolle, Blutorangen-Baiser-Törtchen, Baiser-Trifle,…). Tja, und wenn nicht das, dann Rezepte mit getrockneten Früchten oder viel Alkohol. Mein kulinarischer Gaumen wurde also nicht ein kleines bisschen gekitzelt, was natülich Geschmackssache ist.

© Pink Anemone

Es sind jedoch auch ein paar vegetarische Rezepte enthalten. Diese sind zwar auch nicht unbedingt festlich, doch ich werde sicherlich einige davon noch ausprobieren, wie z.B. „Rosenkohl á la Carbonara“ oder „Lauwarmer Bohnensalat mit Pesto“.

© Pink Anemone

Es sind natürlich nicht alle Rezepte von diesen Mankos betroffen. „Herhafte Arme Ritter“, das „Apfel-Brombeer-Crumble mit Granola“ und der „Hirschschmortopf mit Blätterteighaube“ sind meine absoluten Favoriten und fanden den Weg in meine Rezeptsammlung.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig und auch die Rezepte werden leicht verständlich erklärt. Es ist, als würde man einem lockeren Küchengeplaudere lauschen. Es kam beim Lesen zwar nur mässig Weihnachtsstimmung auf, aber es umgab mich beim Schmökern eine durchaus gemütliche Atmosphäre.

© Pink Anemone

„Wenn meine Mutter damals den Torf im Kamin angezündet hatte, stellte sie eine Pfanne mit selbst gesammelten Maronen hinein. Wir haben sie anschließend in geschmolzene irische Butter gedippt und sie mit einer Prise Salz bestreut; eine der leckersten Sachen überhaupt.“
(S. 74)

Fazit:
Leider erfüllte dieses Kochbuch nicht meine Erwartungen.
Nur mässig weihnachtliche Stimmung, keine typisch niederländische Küche und nur wenig wirklich festliche Rezepte, dafür solche mit viel Aufwand.
Trotzdem finde ich es schön darin zu schmökern, denn die Bilder und die gesamte Aufmachung sind großartig. Man kann sich ja doch von so einigen Rezepten inspirieren lassen. Ich werde also sicherlich noch mehrmals einen Blick in dieses Buch werfen und das ein oder andere Rezept ausprobieren.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an Leserjury und Dumont-Verlag

 

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (16. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „Home Sweet Home Xmas“
  • ISBN-10: 3832199640
  • ISBN-13: 978-3832199647
  • Preis: 34,00€ (Stand vom 20.12.2019)
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Bildquelle: Amazon

 

 

Yvette van Boven, geboren 1968, ist Köchin, Illustratorin, Food Stylistin und Rezeptautorin für Magazine und Tageszeitungen. Sie hat eine eigene Kochshow im niederländischen Fernsehen. Gemeinsam mit ihrem Cousin Joris Vermeer führt sie das Restaurant ›Aan de Amstel‹ in Amsterdam.
Bei DuMont erschienen ihre Kochbücher ›Home Made. Natürlich hausgemacht‹ (2011), ›Home Made. Winter‹ (2012), ›Home Made. Sommer‹ (2013) und ›Home Baked‹ (2015). Yvette van Boven lebt in Amsterdam und Paris.
HIER kommt Ihr zum Blog der Autorin.

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Rezept aus dem Buch

Apfel-Brombeer-Crumble mit Granola
© Pink Anemone

Weitere Bilder von meinen nachgekochten Rezepten

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5 Kommentare zu „Rezension „Weihnachten in Amsterdam“ von Yvette van Boven ★★★

  1. Hallo Conny,

    schadeee, ich habe das Buch oft im Buchhandel gesehen in den letzten Wochen und dachte, es wäre so ähnlich aufgemacht wie das New York – Kochbuch, was ich hier habe. Also nicht nur Rezepte und hübsche Bilder, sondern vielleicht auch kleine Weihnachtsgeschichten.
    Viel Alkohole? Hm, sicherlich hätte man Abwandlungen in die Rezepte packen können.
    Echt blöd, so ne gute Idee, amsterdamer Weihnachten in die Küchen zu holen und dann passt es nicht so ganz ins Bild.
    Danke für deine Meinung.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Tina,
      ich hätte mir gewünscht, dass es mir richtig gut gefällt, aber leider entsprach es nicht meinen Erwartungen.
      Ich koche ja hin und wieder auch gerne mal mit Alkohol, aber in diesem Buch müsste man diesen fast bei jedem Rezept ersetzen und dann ist es ja im Grunde nicht mehr das Originalrezept. Außerdem, wer hat denn so viele verschieden Arten von Alkohol zu Hause? Für das eine braucht man Whiskey, für ein anderes Portwein, dann wieder Gin oder Ale usw. Das war mir dann doch etwas zu viel. Was mich jedoch am meisten enttäuschte war, dass es mich nicht an Amsterdam erinnerte. Kein einziges typisches niederländisches Gericht, derweilen gibt es dort so viel herrliche „Hausmannskost“. Aber naja, zumindest habe ich jetzt ein Rezept für einen tollen Rindsschmorbraten … natürlich etwas abgeändert XD

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