Fantasy / Horror / Sci-Fi · Rezensionen

Kurzrezension „Beutezeit“ von Jack Ketchum ★★★

Kannibalen-Horror – blutig, brutal und für mich leider schon zu sehr ausgelutscht.

Yummy, yummy, yummy  – I got love in my tummy

Drei junge Paare wollen eine Urlaubswoche in einem abgelegenen Ferienhaus an der amerikanischen Ostküste verbringen. Was sie nicht wissen: Die Gegend wird von einer Gruppe Verwahrloster heimgesucht, die unter primitivsten Bedingungen leben und Urlauber nur als Beute betrachten. Die Jagd beginnt …
Jack Ketchums brillanter Debütroman gilt schon lange als Klassiker der Horrorliteratur. Sein entlarvender Blick auf die Grundmauern unserer Gesellschaft ist ein schockierender Kommentar auf die Frage, wo Menschlichkeit und Zivilisation aufhören und die Herrschaft ungezügelter Brutalität beginnt… (Klappentext)

© Pink Anemone

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Ich habe mir von diesem Buch wohl etwas zu viel versprochen, immerhin gilt Jack Ketchum als einer der Pioniere des modernen Horrorromans der 80er Jahre.
Obwohl es durchaus ekelerregende, grauenhafte und äußerst blutige Szenen gab, konnte ich diesen Horrorroman nicht wirklich ernst nehmen. Dies lag vor allem an dem typisch amerikanischen Horror-Klischee, und das die Story daher natürlich nicht ohne Sex auskommt.

Das Thema „Kannibalismus durch Wilde“ ist für mich schon ziemlich ausgelutscht, wobei dies keinesfalls die Schuld des Autors ist. Immerhin schrieb er das Buch schon in den späten 70ern.
Andere Autoren und Filmemacher versuchten ihn, aufgrund des Erfolgs, natürlich zu kopieren. Vor allem die Filmreihe „Wrong Turn“ blitzte bei mir während des Lesens immer wieder in meinen Gedanken auf.

© Pink Anemone

Nicht ernst nehmen konnte ich den Roman schon allein aufgrund der Figuren nicht.
Nicht nur das sie für mich allzu blass daherkamen, störte mich zusätzlich, dass hier von den späteren Opfern jeder auf jeden geil war – selbst in einer schockierenden und an und für sich traumatisierenden Szene. Als ob man die körperlichen Vorzüge und vor allem die Titten einer Freundin bewundert, während man Gefahr läuft von einer Familie Wahnsinniger niedergemetzelt und gebraten zu werden. Joa klar, wenn mir einer mit einem Hackebeil nachläuft, kann ich natürlich auch nicht den Blick vom Knackarsch des Freundes meiner Freundin wenden und mir dabei einen geilen Fick vorstellen. Scheiß auf die Gefahr durch Kannibalen (man stelle sich hier mein genervtes Augenrollen vor).
Ein paar Logikfehler führten dann noch zusätzlich zu einem Kopfschütteln bei mir. Ein Wunder, dass ich danach kein Schädel-Hirn-Trauma hatte, während mir die Augen stecken blieben.

Der Schreibstil ist äußerst einfach gehalten und flüssig und es gibt durchaus mehrere spannende Szenen und überraschende Wendungen. Daher huschte ich trotz der oben genannten Mankos durch das Buch.

© Pink Anemone

Was mich jedoch besonders begeistern konnte war das Ende, denn es gibt kein Happy End im eigentlichem Sinne … es gibt keine Gewinner. Dadurch ist das Ende authentischer als der ganze Rest, denn der Lauf des Lebens spielt sich meist genau so ab. Das Leben ist eben kein Pony-Hof und auch nicht gänzlich ohne Kannibalismus.
Da Romane, egal welchen Genres, meist mit einem glücklichen Ende enden, begrüßte ich nahezu das Ende von „Beutezeit“, welches gerade dadurch aus den vielen (Horror-)Romanen hervorsticht. Und somit beende ich meine Kurzrezension mit diesem Zitat:

„>>… Ein dicker alter Cop riskiert nachts im Wald seine Haut, und dann muss er sich so was von seinen Kollegen bieten lassen. Ich sag dir, Sam, die Zivilisation stinkt.<<
>>Keine Ahnung. Bis jetzt ist sie mir noch nicht über den Weg gelaufen.<<“
(S. 237)

Fazit:
Obwohl mich der 1. Band der Beute-Reihe nicht sonderlich vom Hocker reißen konnte, werde ich mir wohl auch die zwei Folgebände gönnen. Immerhin konnte mich der Autor trotz der Mankos an der Stange halten, sodass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe. Ich könnte mir in den Arsch beißen diese Reihe nicht schon früher gelesen zu haben, trotz des ganzen Ami-Horror-Klischee-Mist.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Reihenfolge
  1. „Beutezeit“
  2. „Beutegier“
  3. „Beuterausch“

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Weitere Buchinformationen

 

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Heyne Hardcore; Auflage: 1. Auflage (1. Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: „Off Season“
  • ISBN-10: 345367507X
  • ISBN-13: 978-3453675070
  • Preis: 9,99€ (Stand vom 29.07.2020)
  • Auch erhältlich als: E-Book und HB
© Pink Anemone

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Autoren-Info
© Douglas E. Winter / Bildquelle: Heyne-Verlag

Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Er gilt heute als einer der absoluten Meister des Horror-Genres. 2011 wurde er zum Grand Master der World Horror Convention ernannt. Er erhielt fünfmal den Bram Stoker Award, sowie 2015 den Lifetime Achievement Award der Horror Writers Association. Jack Ketchum verstarb am 24. Januar 2018 in New York City, New York.

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