Rezensionen · Sachbücher/Biographien

Rezension „Die Mumien in Palermo“ von Mark Benecke

Dieses Buch stelle ich im Rahmen des Specials „True-Crime-Summer-Worldtrip“ vor. Wer Lust hat dort vorbeizuschauen, der klicke auf das untere Bild. Dort findet Ihr auch interessante Beiträge von Christin von Life4Books und Ariane von Nerd mit Nadel.
Aber Achtung – nichts für schwache Nerven!!

© Pink Anemone

Es ist zwar Freitag und es wäre eigentlich eine Tour mit dem Life4Books-Zug geplant gewesen. Aufgrund von Gleisarbeiten auf Gleis 666 ist dies jedoch leider nicht möglich und wir verschieben das auf morgen.

Doch für Ersatzprogramm ist natürlich gesorgt. Wir wollen doch nicht, dass sich die Gäste vor Langeweile an die Gurgel gehen. Das wäre auf einem True-Crime-Summer-Worldtrip etwas … nun ja, wenn ich es mir so recht überlege wäre das sogar passend.
Da ich jedoch keinen Bock habe das Schiffsdeck von Blut und Körperteilen zu befreien, machen wir mit Mark Benecke und seinem Buch „Die Mumien in Palermo“ ein kleines Worldhopping. Denn natürlich darf bei einem Special mit dem Thema „True-Crime-Summer-Worldtripp“ ein Buch von Mark nicht fehlen, dem Mikrobiologen, welcher als Experte in allen Teilen der Welt hinzugezogen wird.
Wenn wer also dunkle Geheimnisse und ungewöhnliche Tötungen aufspürt, dann ist es Dr. Made.
Und somit begeben wir uns auf eine Reise, welche uns, unter anderem, in die geheime Militärbasis Roswell, nach Italien, Kolumbien oder auch Deutschland entführt.

Also packt eure Wanderschuhe, Euren Indiana-Jones-Hut, Absperrband und Lupe ein, denn wir machen uns nun daran Dr. Benecke über die Schultern zu blicken.

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Zu diesem Buch gibt es auch einen Book-Soundtrack.

Wie manche vielleicht wissen, war ich schon auf einigen Vorträgen von Mark, welche ich jedem Interessierten wirklich empfehlen kann. Seine Vorträge beginnen bei uns in Wien immer mit dem äußerst passendem Song von Sara Noxx & Mark Benecke „Jeanny“ – eine Falco-Adaption. Zuvor und in den Pausen beschallt einem Mark & Co einem mit Gothic-Industrial, etc.

Dieser Soundtrack beinhaltet daher nicht nur Tracks mit Mark Benecke (jahaa, er spielt in so manchen Gothic-Industrial-Musikclips mit), sondern auch von mir zusammengestellte Musictracks, welche ganz gut passen und Mark gefallen dürften.

Spotify-Link / Zusammengestellt von © Pink Anemone

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„Mumien in Palermo“ von Mark Benecke

Sachbuch / Spannende Lektüre vom Sherlock Holmes der Mikrobiologie, die uns in die Welt der Forensik führt. Amüsant und aufschlußreich zugleich.

© Pink Anemone

Ob Italien, Kolumbien oder Vietnam – Wie ein Indiana Jones der Kriminalbiologie wird Mark Benecke in die verschiedenen Länder dieser Welt gerufen, um dunkle Geheimnisse aufzuspüren, brutale Morde und unerklärliche Tötungen zu untersuchen. Dabei begegnet er korrupten Polizeibeamten und trifft auf skrupellose Mörder. Ein ganz besonderer Fall sind die Mumien, die in einem Kapuzinerkloster in Palermo aufgefunden werden. Hunderte, vielleicht tausende. Er lernt die Mönche kennen. Was haben sie zu verbergen? Dr. Made packt seinen Koffer und kommt der Wahrheit auf die Spur … (Klappentext)

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„Es geht bei ungewöhnlichen Ereignissen nicht um die Gefühle und Eindrücke von ZeugInnen, sondern um die tatsächlichen Spuren dessen, was der Kern des Geschehens ausmacht. Messbare Spuren sind aber etwas anderes als Charakterdarstellungen von Menschen.“
(S. 48)

Ich habe nicht nur die meisten der bisher erschienen Bücher von Mark Benecke gelesen, sondern war auch schon bei so manchen seiner Vorträge.
Der Grund besteht nicht nur darin, dass der Kriminalbiologe auf äußerst spannende und auch humorvolle Art und Weise Forensik, Kriminalistik und Naturwissenschaft anhand verschiedener Kriminalfälle an LeserInnen und ZuhörerInnen bringt. Nein, denn er bewegt sich durch alle möglichen Länder, um bereits weit zurückliegende Fälle zu erforschen, welche seine Neugierde wecken.
Er dröselt auf, erforscht, experimentiert, geht den kleinsten Hinweisen nach, welche für manche unwichtig erscheinen und verbeißt sich so lange in einen Fall, bis es nichts mehr zu forschen und experimentieren gibt.
Sein Leitsatz: „Ich glaube nichts und prüfe alles“.

© Pink Anemone

Auch in diesem Buch kann man sich wieder von seiner detaillierten Arbeitsweise überzeugen und schaut ihm dabei über die Schultern. Hier klärt man diesmal jedoch keine True-Crime-Cases, sondern untersucht Fakes, Gerüchte und alten Glauben anhand von sechs spannenden Kapiteln.

1. Kapitel: „Aliens und andere Leichen“

Hier geht man dem berühmten Video nach, welches die Obduktion des Aliens von Roswell zeigt – Fake oder Wahrheit? Dabei erfährt man auch einiges über Füße und sehr vieles über Augen.

© Pink Anemone

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2. Kapitel: „Ein Leben in Blut und Tränen“

Hier begibt man sich in das in Deutschland gelegene Konnersreuth in dem in den 20er und 30er Jahren eine Theresa Neumann Blut weinte und die Stigmata Jesu Christi aufwies.
Wie konnte sie Ärzte und Professoren überzeugen, während so mancher katholische Priester dem skeptisch gegenüber stand? Wie schaffte sie es jahrelang zu bluten und zu hungern?
Hier erfährt man wieder einiges über Blutspuren, Wunden und wie es möglich ist, dass sich selbst Leute der Wissenschaft blenden und manipulieren lassen.

© Pink Anemone

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3. Kapitel: „Die heilige Walpurgis“

Die heilige Walpurga ist selbst Atheisten bekannt, geht doch die Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai auf sie zurück. Was manchen nicht bekannt ist, ist die regelmässige Ölabsonderung aus den sterblichen Überresten dieser heiligen Walpurga. Auch diesen geht Mark Benecke auf detaillierte Forschungsart nach.

© Pink Anemone

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4. Kapitel: „Plötzliche Selbstentzündung von Menschen“

„Erstens fängt das Feuer fast immer im Sitzen an. Zweitens trifft es praktisch nur ältere Frauen. Drittens ist es echtes Feuer, nicht etwa eine starke Säure, wie mir Feuerwehrleute bestätigten, die echte „SHC“-Flammen gelöscht oder die Spuren der Brände untersucht hatten. Und viertens breitete sich das Feuer sehr seltsam aus – fast immer blieben nur die Unterschenkel und Füße der Leiche übrig.“
(S. 111)

Hier durfte Benecke als erster naturwissenschaftlicher Kriminalist eine Überlebende einer Selbstentzündung interviewen und untersuchen.
Hierbei betrachtet man sogenannte Selbstentzündungen in der Geschichte und auch ein ganz besonderer Brandexperte kommt zu Wort. Eines meiner Lieblingskapitel!

© Pink Anemone

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5. Kapitel: „Die Mumien in Palermo“

„Die Leichen waren sehr ungewöhnlich >>mumifiziert<<, nämlich oft mit lappenartigen Masken vor dem Gesicht und fast immer zum Großteil bis auf die Knochen skelettiert. Die Mönche hatten irgendetwas Seltsames mit den Mumien angestellt.“
(S. 186)

Wir reisen hier nach Sizilien und besuchen mit Mark Benecke die berühmte Krypta der Kapuzinermönche in Palermo. Dabei betrachten wir nicht nur Mumien, wie z.B. die berühmte Mumie der kleinen Rosalia, sondern erhalten auch ein Rezept für Balsamierflüssigkeit (wer weiß für was man das mal benötigt) und Einblick in das Spezialgebiet von Dr. Made – Insektenkunde.

© Pink Anemone

„Manche Insekten wie Käsefliegen mögen klebrig zerlaufene Leichen, während beispielsweise Teppichkäfer stark vertrocknetes Leichengewebe bevorzugen. Das ist kein persönlicher Geschmack der Tiere, sondern ihr einzig mögliches lebenswichtes Verhaltensprogramm. Kurz gesagt, die Tiere sind vorhersagbarer und damit zuverlässiger als Menschen.“

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6. Kapitel

Das 6. Kapitel enthält gleich zwei ganz besondere Schmankerln, welche uns langsam wieder in den Alltag zurückführen.
Zum Einen erzählt uns Mark eine witzige Anekdote aus einem seiner Insekten-Forensik-Trainings in Kolumbien, in der er mit seinen Kursteilnehmern in eine bewaffnete Auseinadersetzung stolperte.
Zum Anderen kommt seine Frau Ines zu Wort, die uns einen Blick in das Leben der beiden Dauerreisenden werfen lässt und uns Reisetipps für Endlostouren durch Zentraleuropa gibt. So manche/r FestivalbesucherInnen und Reisende werden bei manchen Punkten zustimmend nicken und können sich auch ein paar zusätzliche Tipps in ihr Survival-Handbuch schreiben.

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Dieses Buch enthält natürlich wieder zahlreiche Bebilderungen, welche einem zusätzlich in das jeweilige Thema eintauchen udn auch verstehen lassen.

© Pink Anemone

Fazit:
Ich hegte schon immer eine morbide Faszination für den Tod, welche sich im Verlauf meines Lebens verstärkte und dann True Crime (inkl. Forensik) miteinschloß.
Ersteres mag daran liegen, dass der Tod und das Sterben in meiner Familie nie ein Tabuthema waren. Letzters liegt an meiner unglaublichen Neugierde nach dem Wieso und Warum und dem Hang mich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben und auch meinem allgemeinen Interesse an Forensik.
Hierbei kommt man am Mikrobiologen und Forensiker Dr. Mark Benecke nicht vorbei. Seine Art forensische Wissenschaft auf fesselnde und humorvolle Art an die Laien zu bringen und sie somit in die Welt von Ermittlern, spannende Fälle und auch in die der Naturwissenschaft zu entführen, ist gleichzeitig schockierend aber vor allem faszinierend.
Auch dieses Buch habe ich wieder innerhalb eines Nachmittags verschlungen und wieder konnte Mark Benecke sein Spezialwissen gut vermitteln und meine Neugierde stillen.
Es war für mich also wieder einmal eine spannende Lektüre vom Sherlock Holmes der forensischen Mikrobiologie.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen
  • Broschiert: 288 Seiten
  • ISBN-10: 9783785725726
  • ISBN-13: 978-3785725726
  • Herausgeber: Lübbe; 3. Aufl. 2016 Auflage (14. Oktober 2016)
  • Preis: 19,90€ (Stand vom 28.08.2020)
  • Auch erhältlich als: E-Book und HB
© Pink Anemone

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Autoren-Info
Bildquelle: Amazon

Dr. Mark Benecke, geb. 1970, Kriminalbiologe, arbeitet als Molekularbiologe und Wirbellosenkundler an kriminalistischen und rechtsmedizinischen Fragen und der Biologie des Todes, ist Gastdozent und -professor an Universitäten in den USA, den Philippinen, Vietnam und Kolumbien sowie Ausbilder an Polizeiakademien und Gast u. a. an der FBI-Akademie und der „Body Farm“.
Er ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (IHK) und leitet kriminalistische Spezialausbildungen in Deutschland, der Schweiz, den USA und Kanada, unter anderem zur Auswertung von Blutspritzmustern; ist Autor von Übersichtsartikeln zu genetischen Fingerabdrücken und rechtsmedizinisch-kriminalistischer Gliedertierkunde. Zudem besitzt er ein umfangreiches Forschungsarchiv zur Kriminalgeschichte im Nachkriegsdeutschland, ist insektenkundlicher Gutachter in bekannten Kriminalfällen und gewähltes Mitglied (Fellow) internationaler Forschungsakademien, darunter der ältesten Naturforschungsvereinigung, der Linnean Society of London und der American Academy for Forensic Sciences.
Als sei dies nicht genug, betätigt sich Mark Benecke als Gastherausgeber des Sonderbandes „Forensic Entomology“ für Forensic Science International und fungiert als wissenschaftlicher Berater für zahlreiche Fernsehsender.
Er wurde mit der Ehren-Kriminalmarke des ‚Bundes Deutscher Kriminalbeamter‘ (bdk) und der Ehrenmitgliedschaft des Gewerkschaft der Polizei (GdP) Thüringen ausgezeichnet. Neben Artikeln in Fachzeitschriften publiziert er regelmäßig in Tages- und Wochenzeitungen, darunter FAZ, SZ, Die Welt, Die Zeit und taz.
Mark Benecke lebt und arbeitet in Köln.
HIER kommt Ihr zur Webseite des Autors.

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