Comics / Graphic Novels · Rezensionen

Rezension „Scarface“ von Christian De Metter, nach dem Roman von Armitage Trail ★★★★

Diesen Comic stelle ich im Rahmen meines Weihnachts-Specials „Retro Christmas“ vor. Wenn Ihr also Lust habt noch weiter über Bücher, Comics und Games in den 20er, 30er, 40er und 50er Jahre zu schwelgen, dann klickt einfach auf das untere Bild und schon befindet Ihr Euch in der Vergangenheit….

© Pink Anemone

Und nun viel Spaß mit meiner Rezension zu dem Comic „Scarface“, natürlich mit entsprechendem Book-Soundtrack…

 

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Bei so einem besonderen Special darf ein Comic natürlich nicht fehlen. Weiters darf auch eine Story im Chicago der 30er Jahre nicht fehlen und was verbindet man meist mit diesem Setting? Genau – Prohibition und italo-amerikanisches Mafia-Syndikat.

Der Comic „Scarface“ enthält all diese Komponenten und daher werde ich Euch diesen Comic vorstellen. Also Ihr Frauen – rückt die Pistole in Eurem Strumpfband zurecht. Männer – entzündet Eure Zigarren – es geht ins Chicago der 30er Jahre.

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„Scarface“

30er Jahre / Geballte Mafia-Action, stimmungsvoll und atmosphärisch, jedoch leider nur an der Oberfläche kratzend

© Pink Anemone
Chicago – die Mafia-Stadt

Christian De Metter adaptiert in seiner Graphic Novel Scarface eindrucksvoll den gleichnamigen Roman von Armitage Trail aus dem Jahr 1929. Die Geschichte von Tony Guarino, der sich vom armen italienischen Einwanderer zum gefürchteten Mafia-Boss „Scarface“ wandelt, wurde von Howard Hawks (1932) und Brian De Palma (1983) verfilmt und damit zu einem wahren Klassiker. Skrupellos erkämpft sich Tony Macht und Reichtum, bis er ausgerechnet von denjenigen zu Fall gebracht wird, die er liebt...(Klappentext)

© Pink Anemone

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„>>Robin Hood ist ein Dieb in Strumpfhosen. Ich bin ein Geschäftsmann und trage teure Anzüge. Ich verkaufe den Leuten das, was sie haben wollen. Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage.<<“ (S. 58)

Tony Guarino, Sohn italienischer Einwanderer, möchte in Chicago ganz groß rauskommen. Als Italo-Amerikaner ein unmögliches Unterfangen, außer man schlägt den Weg eines Gangsters ein. Doch nichts anderes hat Tony vor.
Als Kleinkrimineller lacht er sich auch gleich mal die Geliebte eines gefürchteten Mafiabosses an und was Tony will, bekommt er auch und was er hat, teilt er nicht gerne. Und so wird der Mafiaboss gleich mal kalt gemacht. Dies führt dazu, dass ein anderer Unterweltboss auf ihn aufmerksam wird und ihn sogleich unter seine Fittiche nimmt.
Dem Aufstieg steht also nichts mehr im Wege, wären da nicht die Gefolgschaft des ermordeten Clan-Oberhaupts, welche ihm nach dem Leben trachten. Tony „muss“ also schließlich zwei berüchtigte Capos um die Ecke bringen und anschließend abtauchen. Dann kommt auch noch der 1. Weltkrieg dazwischen.
In Chicago heißt es, Tony Guarino wäre im Krieg gefallen, auch sein Mentor hat inzwischen das zeitliche gesegnet und seine Geliebte hat sich schnell mit einem Schnapsschmuggler getröstet.
Nachdem Tony aufgrund dieser Gerüchte und Tatsachen kurz die Sicherungen durchbrannten, erfindet er sich neu. Nun nennt er sich Tony Camonte, macht sich die Prohibition zunutze, steigt dadurch in der Unterwelt  rasch auf und ist als „Scarface“ berüchtigt und gefürchtet.
Alles könnte wunderbar laufen, wenn er nicht so ein größenwahnsinniges Arschloch wäre, dem jedoch gleichzeitig die Familie das Wichtigste ist.
Denn Blut ist stärker als Wasser, selbst wenn der eigene Bruder Inspektor ist und, ohne es zu wissen, seinen eigenen Bruder jagt.

© Pink Anemone

„Es heisst, dass man im Moment des Todes sein ganzes Leben an sich vorbeiziehen sieht. Bei der Geschwindigkeit der Kugel muss meine Bilanz allerdings sehr knapp ausfallen.“
(S. 5)

Dieser Comic ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Armitage Trail aus dem Jahr 1929. Trail nahm für seinen Roman wiederum die Lebensgeschichte von Al Capone auf, welcher der berüchtigste Verbrecher Amerikas in den 1920er und 1930er Jahren war.
Im Roman, wie auch in diesem Comic, ist also geballte Mafia-Action, welche zugleich auch das Leben der damaligen Zeit skizziert.

© Pink Anemone

Sympathieträger sucht man hier vergebens und trotzdem wird hier nicht alles in Schwarz und Weiß betrachtet und der Protagonist Tony macht durchaus eine Entwicklung durch – nicht immer zum Guten.

Die Illustrationen von Christian De Metter passen hervorragend zur Geschichte und lässt einen in einen Noir-Comic in düsteren Grün- und Blautönen abtauchen.
Der Zeichenstil ist eine Kombination aus Bleistiftzeichungen und Malerei, Ein Stil der mich allgemein ganz besonders begeistern und beeindrucken kann.

© Pink Anemone

„>>Das Gesetz gegen den Alkoholkonsum ist ein Geschenk Gottes. Wir verdienen uns dumm und dämlich, Tony.<<
>>Das ist, als würde uns jemand den Krieg erklären und uns sämtliche Waffen geben.<<“
(S. 46)

Ich hätte mir nur manchmal gewünscht De Metter würde nicht gar so sprunghaft durch die Story hüpfen und hätte sich für manches mehr Zeit genommen. Das ist vor allem bei verschiedenen Zeitsprüngen erkennbar.
Zum Beispiel befindet man sich in Chicago, Tony spricht vom Abtauchen – ZACK – plötzlich befindet man sich im Schützengraben – ZACK – Tony kehrt nach Chicago zurück.
Ich hätte mir hier zumindest Datum oder kleine Anmerkungen gwünscht. Auch das Ende geht mir etwas zu rasant über die Bühne.
Die Story gibt so viel her, man hätte so viel daraus machen können und doch wird hier nur an der Oberfläche gekratzt.

© Pink Anemone

Die Aufmachung spricht jedoch wieder für sich. Wundervolle Hardcover-Ausgabe mit Lesebändchen und die Zeichnungen und somit auch die Panels kommen durch das matte Papier ganz besonders gut zur Geltung.

© Pink Anemone

Fazit:
Ein stimmungsvoller und atmosphärischer Noir-Comic, der mich in das Chicago der 30er Jahre entführte und mitten in das Gangstermilieu katapultierte.
Leider wurde für mich die Story zu oberflächlich abgehandelt – als würde ich quer lesen und dadurch so manche Schlüsselszenen überlesen. Ich hätte so gern länger in diesem Noir-Comic verbracht, wäre gern tiefer in die Story eingetaucht. Vor allem da es Spaß machte die Panels zu betrachten, welche die Atmosphäre der Story auf wunderbare Weise transportieren. Das wiederum spricht FÜR  den Comiczeichner Christian De Metter und somit auch für den Comic. Auf jeden Fall möchte ich noch mehr von diesem französischen Comiczeichner lesen und betrachten.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Weitere Comic-Informationen
  • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
  • ISBN-10: 3864971071
  • ISBN-13: 978-386497107
  • Herausgeber: Süddeutsche Zeitung Edition; 1. Edition (9. März 2013)
  • Preis: 4,95€ (Stand vom 11.12.2020)
© Pink Anemone

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Illustratoren- und Autoren-Info

Illustrator Christian De Metter

Bildquelle: Splitter-Verlag

Christian De Metter (geboren 1968) ist Comic-Künstler, Pressezeichner und Musiker. Seine Graphic Novels, darunter auch eine Adaption des von Martin Scorsese verfilmten Romans „Shutter Island“, wurden auf mehreren französischen Comic-Festivals mit Preisen bedacht.

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Autor Armitage Trail

Armitage Trail (geboren 1902 – gestorben 1930) begann schon als Teenager, Kriminalgeschichten zu schreiben. Berühmt wurde er mit dem 1929 erschienenen Roman „Scarface“, der den gleichnamigen Filmklassiker von Howard Hawks und Brian De Palma sowie dieser Graphic Novel als Vorlage diente.

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Verfilmungen

„Scarface“ 1932
Bildquelle: Wikipedia

Diese Verfilmung wurde 1932 veröffentlicht. Regisseur war Howard Hawks mit Paul Muni in der Hauptrolle. Das Drehbuch stammt von Ben Hecht, der vor seiner Karriere als Drehbuchautor und Journalist in Chicago tätig war. 

Interessante Fakten:

  • Scarface war bereits 1930 fertiggestellt, wurde aber von den Zensurbehörden aufgrund der rohen Gewaltdarstellung und der Glorifizierung des Gangstertums zunächst nicht zugelassen.
  •  Die Produzenten mussten die Darstellung von korrupten Politikern, die mit Gangstern gemeinsame Sache machen, überarbeiten. Außerdem wurde die Rolle von Tonys Mutter, die ursprünglich stolz auf ihren Sohn ist, so geändert, dass sie das Verhalten ihres Sohnes missbilligt. Hughes ließ, mit Hilfe des Regisseurs Richard Rosson, die neuen Szenen überarbeiten. In dieser entschärften Version kam der Film schließlich 1932 in die Kinos.
  • Regisseur Hawks war mit der weichgespülten Version allerdings mehr als nur unzufrieden und brachte den Film in einigen Bundesstaaten, in denen die Zensurauflagen weniger strikt durchgesetzt wurden, auf eigenes Risiko in seiner Originalfassung heraus. Hays Office dagegen war auch mit der zweiten Version nicht voll einverstanden. So entstand eine dritte Version, in der Tony am Schluss verhaftet wird. Ihm wird der Prozess gemacht und das Todesurteil ausgesprochen. Damit sollte die Effektivität der amerikanischen Justiz herausgehoben werden.
  • Danach liefen die zweite Version und die dritte Version mancherorts gleichzeitig, während die erste Version überhaupt nicht mehr gezeigt werden durfte. International traten weitere Zensurvorschriften in Kraft, so dass noch zahlreiche andere Versionen entstanden. In der Bundesrepublik Deutschland lief der Film unter dem Namen Scarface, in der DDR unter dem Titel Narbengesicht. (Quelle: Wikipedia)

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„Scarface“ 1938
Bildquelle: Wikipedia

Dies ist ein Spielfilm des Regisseurs Brian De Palma, in dem Al Pacino die Hauptrolle spielt. Der Film ist eine von De Palma sehr frei interpretierte Neuverfilmung des Originals von Howard Hawks aus dem Jahre 1932.
Dies ist übrigens einer meiner absoluten Lieblingsfilme!!

Interessante Fakten:

  • Ursprünglich war die Originalversion in Deutschland auf dem Index jugendgefährdender Medien. Dies war umstritten, da besonders aus heutiger Sicht der Film lange nicht so brutal wie sein Ruf ist. Selbst die berüchtigte Kettensägenszene zeigt beispielsweise keine Details, wie es heute in vielen Horrorfilmen der Fall ist. Die meiste Zeit sieht man nur Tony, wie ihm das Blut ins Gesicht spritzt. Der eigentliche Mord wird nicht gezeigt.
  • Es wurden noch zwei weitere Fassungen für den deutschen Markt veröffentlicht, die beide gekürzt waren und jeweils eine Altersfreigabe der FSK erhielten.
  • Im Computerspiel „Grand Theft Auto: Vice City“ ist der Protagonist ein Gangster in einer fiktiven, amerikanischen Stadt in den 1980er-Jahren, die Miami stark ähnelt. Neben Zitaten von Serien wie „Miami Vice“ bedient sich das Spiel ausgiebig bei Szenen und der Ausstattung von Scarface. Die Inneneinrichtung der Villa des Protagonisten ist beispielsweise recht deutlich an der von Tony Montana angelehnt. Außerdem gibt es im Spiel ein Apartment, in dessen Badezimmer sich Blutspuren und eine Kettensäge befinden. Weiters ist die Discothek der in Scarface nachempfunden. Die Entwickler des Spiels, Rockstar North, hatten schon im Vorgänger „GTA III“ viele Musikstücke aus Scarface verwendet. Genau genommen besteht das gesamte Repertoire an Liedern von Flashback FM, einer Radiostation in Liberty City, aus dem Scarface-Soundtrack. Ich habe diese Eastereggs geliebt!!
  • Es gibt auch ein PC-Game zu diesem Film. Darin steuert man den Gangster Tony Montana durch das am Computer nachgebaute Miami und erfüllt einige Aufträge. Hierfür wurde das Filmende umgeändert: Tony stirbt nicht, muss aber sein Drogenimperium komplett neu aufbauen. Das Spielprinzip orientiert sich an Videospielen wie „Grand Theft Auto: Vice City“ oder „Der Pate“ (alles Games die man übrigens unbedingt einmal gespielt haben sollte!). (Quelle: Wikipedia)

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