Hüttenzauber · Rezensionen · Rezept zum Buch · Romane

Rezension „Dort, wo die Zeit entsteht“ von Claudia Wengenroth ★★★★★

Diese Rezension veröffentliche ich im Rahmen meines Winterspecials „Hüttenzauber“. Dort könnt Ihr Euch in eine kleine Berghütte mit gemütlichem Kaminfeuer träumen und durch Bücher mit Schnee- und Eis-Setting und das ein oder andere Rezept stöbern.
Zu diesem Special gelangt Ihr, indem Ihr auf das unter Bild klickt.

© Pink Anemone

Im Anschluß gibt es dann ein ganz besonderes Schmankerl, nämlich ein Rezept zum Buch.

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„Dort, wo die Zeit entsteht“ von Claudia Wengenroth

Eine Story voller Mythologie, Atmosphäre und Entschleunigung

© Pink Anemone
Die Rauhnächte sind die Nächte der Träume

Als die junge Ärztin Katharina kurz nach Weihnachten die Berghütte ihrer Familie erreicht, erhofft sie sich einfach nur ein paar Tage Abstand von ihrem Alltag im Krankenhaus. Doch schon bald greifen in der verschneiten Einsamkeit der Berge die Bilder ihrer Träume nach ihr. Auch die Andeutungen der alten Irmelin, die das Jahr über auf die Hütte aufpasst, verunsichern sie. Was hat es auf sich mit der besonderen Zeit zwischen den Jahren?
In atmosphärischer Dichte erzählt, wird der Leser in die Magie archaischen Wissens hineingezogen und taucht mit Katharina ein in die Mystik der Bergwelt. Der Roman zeigt den Weg einer inneren Heilung … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Die Städter sind die Besitzer der Hütte. So steht’s in den Papieren. Die Hütte ist älter als die Papiere, wie auch der Berg. Natürlich gehört die Hütte tatsächlich dem Berg und dem Wald. Kaum noch jemand weiß das. Die ganz Alten im Tal wissen es, und sie meiden die Hütte. Wie auch den Hof der Irmelin, die für sie zur Hütte gehört.“
(S. 8)

Die Rauhnächte sind die Nächte zwischen den Jahren. In dieser Zeit sind die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt und während die stürmischen Mächte der Mittwinterzeit, auch „Die Wilde Jagd“ genannt, durch das Land ziehen, fallen die Grenzen zur Anderswelt. So sagen es die uralten Legenden an die doch keiner mehr so richtig glaubt.
Doch hoch oben, wo die alte Irmelin wohnt, ist es nicht nur Volksglaube, Mythos und Legende. Die alte Irmelin weiß das, sie lebt immerhin schon ihr Leben lang unterhalb des Berges. Sie kennt den Berg, die Winde und auch die einsame Berghütte, die sie für die Städter in Schuß hält.

Die Berghütte gehört zum Berg und manche sagen sie wäre genauso alt wie er. Doch etwas ist anders, das spürt die alte Irmelin. Die Hütte wartet auf jemanden und scheint das sogar gutzuheißen … und dann taucht diese junge Ärztin auf und richtet sich in der Hütte ein.
Katharine, so der Name der Ärztin, möchte sich von ihrem stressigen Alltag erholen und hat dafür die einsame Berghütte ihrer Familie gewählt. Doch auch sie spürt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
Was wollen Berg und Hütte ihr sagen, was will diese Irmelin von ihr und seit wann können Raben sprechen?

© Pink Anemone

„>>Die wilde Jagd, jedes Jahr um diese Zeit. Möcht‘ die  Hollerin selber sein, die herumzieht und sieht, ob alle die Ruhe einhalten, die geboten ist. Und die wilden Reiter hinter Wotan und mit dem braven Eckart. Denen geh aus dem Weg. Sieh zu, dass du nicht draußen bist in der Nacht. Und dass nichts draußen ist von dir, in dem sie sich verheddern könnten.“
(S. 62)

Man liest aus der Perspektive beider Frauen, der „Alten“ und der „Jungen“ und mit ihnen erlebt man die Tage und Nächte zwischen den Jahren, an einem Ort, der sich nicht ursprünglicher anfühlen könnte.
Während die alte Irmelin nicht erfreut über den Besuch ist, trotzdem immer die Nähe von Katharina sucht und versucht ihr das Geschehen hier auf dem Berg zu erklären, versucht Katharina nahezu verzweifelt sich vom Alltag zu lösen und endlich zur Ruhe zu kommen. Einem Alltag voller Pflichten und Regeln, voller Entscheidungen und Stress. Das ist nicht gerade leicht, wenn man jede Nacht komische Träume hat, die einen bis in den Tag verfolgen und dann auch noch die alte Irmelin immer wieder auftaucht. Gleichzeitig genießt sie jedoch die Anwesenheit der mürrischen alten Dame und deren Geschichten über die Wilde Jagd und die Mythen.
Und so lernt die eine von der anderen und mit diesen beiden eventuell auch der oder die LeserIn.

© Pink Anemone

„Kein Nachdenken, nur zusehen und fühlen. Das schien das Durcheinander zu ordnen, für den Moment. Nichts, was sie denken musste, für das sie Worte finden, logisch sein musste.“
(S. 32)

Dieses kleine Büchlein ist ein Buch, welches mich von Anfang an in seinen Bann zog. Dieses Buch und die Story zwangen mich regelrecht dazu zu entschleunigen, was bei mir, einer, deren Gehirn immerzu am Rattern ist und die allgemein nicht schnell zur Ruhe kommt, ein kleines Wunder ist.
Dies liegt zum Einen am Setting, da ich Geschichten mit Berg- und Schneesetting liebe. Zum Anderen an diesem wunderbaren Schreibstil, der poetisch zugleich ist.

Hier wird mit viel Ruhe erzählt und auch die Protagonistinnen agieren ruhig. Zum Beispiel wird langsam und bewusst, nahezu meditativ, Tee aufgesetzt oder in einer Suppe gerührt.
Man weiß von der ersten Seite an, dass sich hier etwas Mysthisches anbahnt, etwas was nicht in unsere Welt zu passen scheint und doch hierher gehört.
Das „Alte“ ist da, der Berg  und die Hütte sind da, ebenso die kalten und stürmischen Winde – und alles gehört zusammen.
Im Verlauf verwischen nicht nur die Grenzen, sondern auch Traum und Realität und macht nicht nur Katharina auf etwas Wichtiges aufmerksam.

© Pink Anemone

„Die nötigen Handgriffe heute Vormittag. Feuer machen, Wasser holen, die Kälte vertreiben, Kaffee kochen. alles, was sie tun muss, lässt sie hier ankommen. Es gibt nichts, das drängelt. Eins nach dem anderen tut sie. Mit jedem Handgriff wird die Hütte wirklicher.“
(S 22)

Fazit:
Mit diesem Buch tauchte ich in eine Geschichte mit wunderbarem Setting ein, in eine Geschichte voll alter Mythen, Atmosphäre und Ruhe. Das Buch führte dazu, dass ich bewusster und intensiver las und somit zur Ruhe kam, während in der Geschichte die Winterstürme um die Hütte fegten.
Aus diesem Buch wird wohl jeder, der sich auf die Geschichte einlässt, etwas andere mitnehmen.
Ich für meinen  Teil werde hin und wieder mal Pflichten und Regeln vergessen, versuchen mich von Vielem, was mir nicht gut tut, abgrenzen und gleichzeitig selbst darin etwas Gutes sehen. Auch werde ich wieder mehr auf mein Bauchgefühl achten, denn das sind die uralten und richtigen Regeln. So sprach es der Rabe und wir wissen doch alle – Raben haben immer Recht! *g*.
Dieses Buch ist eines jener wenigen Bücher, die man immer wieder lesen kann und nicht nur zur Zeit der Rauhnächte.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichen Dank an den Diederichs Verlag und dem Bloggerportal!

Mit Verlagslink
  • Herausgeber: Diederichs (28. September 2020
  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • ISBN-10: 342435113X
  • ISBN-13: 978-3424351132
  • Preis: 17,66€ (Stand vom 15.01.2021)
  • Auch erhältlich als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
© Dagmar Tanamal

CLAUDIA WENGENROTH ist 1971 in Leipzig geboren und dort auch aufgewachsen. Nach ihrer Ausbildung als Physiotherapeutin studierte sie Medizin. Sie lebt und arbeitet als Ärztin im Weserbergland. Bisher wurde ein Gedichtband von ihr veröffentlicht.

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Rezept zum Buch

Irmelins Rauhnachtssuppe

Zu diesem urigen Soulfood gelangt Ihr, indem Ihr auf das Bild klickt.

© Pink Anemone

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