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Rezension: „Der Fall Jane Eyre“ (Thursday-Next-Reihe, Band 1) von Jasper Fforde ★★★★

Diese Rezension veröffentliche ich im Rahmen meines Osterspecial „Vintage Easter“.
Dort findet Ihr Bücher von/mit/über starke Frauen für den ein oder anderen Osterkorb (Comic, Klassiker, diesen Mystery-Crime für Kinder ab 10 Jahren, Absinth-Anthologie und Urban-Fantasy ab 16 Jahren), Rezepte für den Ostertisch und auch DIY-Anleitungen.
Wenn Ihr Lust habt darin zu stöbern, dann einfach auf das untere Bild klicken.

© Pink Anemone

Am Ende erwartet Euch dann noch ein Rezept zum Buch.

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„Der Fall Jane Eyre“ von Jasper Fforde

ab 16 Jahren / Eine verrückte Welt voller Liebe zur Literatur, skurrilen Figuren, Action und schrägen Humor

© Pink Anemone
Die Jagd nach Acheron Hades

Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der Literatur so wichtig genommen wird, dass es eine Spezialpolizei gibt, um sie vor Fälschern zu schützen? Als Geheimagentin Thursday Next ihre neue Stelle in Swindon antritt, ahnt sie schon, daß ihr die größte Herausforderung ihrer Karriere bevorsteht: Niemand anderes als der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Brontë entführt, um Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England, das mit dem seit 130 Jahren tobenden Krimkrieg schon genug Sorgen hat. Aber Thursday Next ist eine Superagentin: clever und unerschrocken. Und wenn sie wirklich mal in die Klemme gerät, kommt aus dem Nichts ihr von den Chronoguards desertierter, ziemlich anarchistischer Vater, um für ein paar Minuten die Zeit anzuhalten… (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Der Wachmann, der im Haus seinen Rundgang machte, hörte Acheron nicht kommen. Sein lebloser Körper wurde später unter dem Ausgußbecken gefunden. Lautlos stieg Hades die Treppe hinauf. Dabei hätte er soviel Lärm machen können, wie er nur wollte. Er wußte, dass ihm die Wachleute mit ihren 38ern nichts anhaben konnten, aber mir nichts, dir nichts hineinzuspazieren und sich zu bedienen machte einfach keinen Spaß.“
(S. 270)

Dies ist der 1. Band einer ganz besonderen Buchreihe, welche einem in eine abgefahrene Parallelwelt der 80er Jahre katapultiert.
Eine Welt, in der zwar die Computer erfunden wurden, es aber Luftschiffe gibt, eine Welt in der England seit 130 Jahren Krieg mit den Russen um die Krim führt, in der manche Spezialisten durch die Zeit reisen können und, und das ist das Wichtigste, eine Welt in der sich alles um Literatur dreht. So werden z.B. von Kindern Sammelkarten mit AutorInnen getauscht, die Baconiers klopfen an Türen und wollen die Menschen bekehren zu glauben, dass Francis Bakon die Shakespeare-Werke geschrieben hat und es gibt natürlich Spezialeinheiten, welche sich der literarischen Kriminalität entgegenstellen.
Zu einer dieser Einheiten gehört auch Thursday Next, die Protagonistin. Genauer gesagt arbeitet sie als Literaturagentin und sie macht Jagd auf den Superschurken unter den Kriminellen – Acheron Hades. Diesem wird zur Last gelegt das Originalmanuskript „Martin Chuzzlewit“ von Charles Dickens aus dem Museum entwendet zu haben.
Da der Täter keinerlei Spuren hinterließ und nicht einmal von den Kameras entdeckt wurde, kann es nur Acheron Hades gewesen sein. Doch was will er mit diesem Manuskript?
Thursday war ihm knapp auf den Fersen, doch dieses Zusammentreffen überlebte sie nur knapp. Für sie ist klar – bei diesem Mistvieh von Schurken muss sie härtere Geschütze auffahren, denn Acheron Hades scheint nicht nur Meister der Manipulation und Täuschung zu sein, sondern nahezu kugelsicher. Wie will man so einen zur Strecke bringen? … Und die Jagd beginnt.

© Pink Anemone

„>>Er verfügt über bemerkenswerte Fähigkeiten. Deshalb dürfen wir auch seinen Namen nicht laut aussprechen. Ich nenne das die Regel Nummer Eins.<<
>>Seinen Namen? Warum nicht?<<
>>Weil er seinen Namen – selbst wenn man ihn nur flüstert – im Umkreis von mindestens tausend Meilen hören kann. Mit seiner Hilfe nimmt er sozusagen unsere Witterung auf.<<“
(S. 32)

Mit dem Einstieg tat ich mir anfangs etwas schwer, da man von der ersten Seite an in diese irre Parallelwelt geworfen wird. Nach ca. 50 Seiten gewöhnte ich mich jedoch an diese Welt und begann sie so richtig zu genießen.
Im Verlauf lernt man diese Welt immer besser kennen, genau wie auch die Protagonisten selbst. Mit ihr erlebt man nicht nur völlig skurrile Grundgesetze, die in dieser Welt herrschen, sondern auch ebenso skurrile Personen. Dabei nimmt der Autor häufig Bezug auf die Literatur, vorzugsweise britische Klassiker. Da hätten wir z.B. Onkel Mycroft und Tante Polly. Na? Kommen Euch diese Namen nicht irgendwie bekannt vor?
Es gibt hier für bibliophile Nerds also unheimlich viel zu entdecken, vor allem, wenn man den ein oder anderen Klassiker kennt, was für zusätzlichen Lesespaß sorgt.

© Pink Anemone

„>>Er könnte ja in das Buch auch vorsätzlich hineingesprungen sein. Und dann hat es ihm in dem Roman so gut gefallen, dass er einfach dortgeblieben ist.<<
Victor blickte mich argwöhnisch an. Aus Angst für einen Springer gehalten zu werden, hatte er es nicht gewagt, jemanden von seiner Theorie zu erzählen, und nun kam auf einmal eine Londoner Literatur Agentin daher, kaum so alt wie er, und ging weiter, als er es sich je hätte vorstellen können. Da traf ihn die Erkenntnis.
>>Sie haben es selbst schon mal gemacht, stimmt’s?<<“
(S. 213)

Der Schreibstil ist flüssig und der Autor weiß Spannung zu erzeugen. Zudem hat er eine einzigartige Welt erschaffen, die voller Liebe zur Literatur steckt und in der alles anders ist als in unserer Welt.
Dies war anfangs für mich etwas verwirrend, da man, wie schon erwähnt, in diese Welt hineingestoßen wird ohne Zeit zu haben sich auf diese einzustellen. Gleichzeitig beschreibt er diese Welt, als wäre es für ihn das Normalste auf der Welt und das machte es schließlich zu einem kleinen Erlebnis diese Welt zu entdecken.

© Pink Anemone

Die Kapitel sind zudem kurz und werden durch Anekdoten aus Sach- und Fachbüchern aus dieser Welt eingeleitet, wie z.B. aus verschiedenen Geschichtsbüchern oder Biographien, die einem ebenso Einblick in diese verrückte Welt werfen lassen.

Die Figuren und allen voran die Protagonistin Thursday Next, sind wunderbar und facettenreich gezeichnet. Man begegnet hier nicht nur Schurken und Figuren, die man sofort ins Herz schließt, sondern auch skurrilen und nicht ganz durchschaubaren Figuren.

Auch für Spannung und Action wird hier gesorgt, inklusive überraschender Wendungen und äußerst schrägen und trockenen Humor. Und so stürzt man sich mit der einzigartigen und selbstbewussten Thursday in irrwitzige Missionen und Abenteuer.

© Pink Anemone

„Der Geruch von versengter Kleidung stieg mir in die Nase. Ich wich zurück, als eine grelle, orangerote Flamme aus seinem Jackett schlug. Sie setzte seinen Körper in Brand, und wir räumten eilig das Feld, während er in der starken Hitze bis zur Unkenntlichkeit verkohlte; das Ganze dauerte keine vierzig Sekunden…“
(S. 261)

Leider nimmt jedoch Jane Eyre selbst nur eine untergeordnete Rolle ein und wird erst gegen Ende präsent, was mich persönlich ein kleines bisschen enttäuschte. Für das Buch wäre wohl der Titel „Der Fall Martin Chuzzlewit“ passender gewesen.

© Pink Anemone

Fazit:
Für einen Buchnerd wie mich, der auch die klassische Literatur liebt, war dieses Buch ein ganz besonderes Erlebnis.
Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten lernte ich rasch diese schräge Welt kennen und vor allem lieben. Am Ende wollte ich daraus überhaupt nicht mehr auftauchen und daher ist für mich klar, dass ich diese Reihe weiterverfolgen werde. Denn was gibt es Schöneres, als in eine verrückte Welt einzutauchen, die sich ganz der Literatur verschrieben hat?

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Beitrag des Autors zur Entstehung des Romans und seiner Figuren

Vom dtv-Verlag zur Verfügung gestellt – Vielen herzlichen Dank!

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Reihenfolge
  1. „Der Fall Jane Eyre“ (2004)
  2. „In einem anderen Buch“ (2004)
  3. „Im Brunnen der Manuskripte“ (2005)
  4. „Es ist was faul“ (2006)
  5. „Irgendwo ganz anders“ (2009)
  6. „Wo ist Thursday Next?“ (2012)

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Weitere Buchinformationen
  • Verlag: dtv (01.05.2011)
  • Einband: Taschenbuch
  • Originaltitel: „The Eyre Affair“
  • Seitenzahl: 384
  • ISBN: 978-3-423-21293-9
  • Preis: ab 11,95€ (Stand vom 25.03.2021)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HB, ab 05.2021 auch HC
© Pink Anemone

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Weitere rezensierte Werke des Autors:

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Autoren-Info
© Mari Fforde

Jasper Fforde, Jahrgang 1961, ist gebürtiger Londoner und war viele Jahre in der Filmindustrie tätig, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Sein erster Roman »Der Fall Jane Eyre« um die Zeitdetektivin Thursday Next war weltweit ein großer Erfolg. Mit »Eiswelt« schlägt Fforde nun ein neues Kapitel in seinem Schreiben auf. Der Autor lebt in seiner Wahlheimat Wales.

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Rezept zum Buch

Stanfords berühmtes Krabben-Sandwich

Zu diesem Rezept gelangt Ihr, indem Ihr auf das Bild klickt

© Pink Anemone

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5 Kommentare zu „Rezension: „Der Fall Jane Eyre“ (Thursday-Next-Reihe, Band 1) von Jasper Fforde ★★★★

  1. Huhu meine Feine :-*

    Bin ich gerade dezent froh den Titel bereits hier wartend im Regal zu haben? JA! Du verzuckerst ja richtig zum Lesen wollen und das die Literatur so im Fokus steht, ist natürlich zauberhaft! Das Jane eher Randnotiz ist, würde mich persönlich nicht stören, was aber natürlich schade in Bezug auf den Titel ist. Aber es geht ja auch um den Fall, nicht die Person, also doch passend? Egal, es ist eine Kleinigkeit. Das was du beschreibst, skurril, trockener Humor, sind Punkte die ich ja auch liebe und mich jetzt noch ein wenig mehr auf das Buch freuen lassen. Die erschaffene Welt klingt in deiner Rezension bereits sehr reizvoll (=

    Muckelige Grüße!

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Schnuggschnugg,
      ich lieebe dieses Worldbuilding und es klingt alles so normal wie auch schräg zugleich. Wenn ich wieder Platz in den Regalen habe, werden wohl auch gleich die folgenden Bände bei mir einziehen. Wobei ich mir ned sicher bin, ob ich nicht warte, bis alle in HC erschienen sind.
      Den Humor und die Prota wirst Du lieben. Coole Socke und ihr Vater komplett schrullig und verpeilt XD. Hach, da bekomme ich glatt Lust es nochmals zu lesen.
      Bin gespannt wie es Dir gefallen wird.

      Busserl
      Conny

      Gefällt 1 Person

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