Ostern · Rezensionen · Specials · Thriller/Krimis

Rezension „Der Kuss der grünen Fee“ Kriminelle Absinth-Geschichten; Hrsg. Ulrike Bliefert ★★★★

Diese Rezension veröffentliche ich im Rahmen meines Osterspecial „Vintage Easter“.
Dort findet Ihr Bücher von/mit/über starke Frauen für den ein oder anderen Osterkorb (Comic, Klassiker, diesen Mystery-Crime für Kinder ab 10 Jahren, Absinth-Anthologie und Urban-Fantasy ab 16 Jahren), Rezepte für den Ostertisch und auch DIY-Anleitungen.
Wenn Ihr Lust habt darin zu stöbern, dann einfach auf das untere Bild klicken.

© Pink Anemone

Am Ende erwartet Euch dann noch ein Rezept zum Buch.

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„Der Kuss der grünen Fee“ Kriminelle Absinth-Geschichten; Hrsg. Ulrike Bliefert

Facettenreiche Kurzgeschichten, die man am besten bei einem Gläschen Absinth genießt; inkl. histor. Infos

Der Kuss der grünen Fee 1
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„Die Grüne Fee“, so schrieb einst Frankreichs großer Dichter Baudelaire über den Absinth, „ist der Zaubertrank, der dem Leben seine feierliche Färbung gibt und seine dunklen Tiefen aufhellt.“
Doch damit hat er das Modegetränk der Belle Epoque unterschätzt: Sein Genuss konnte durchaus selbst in dunkle Tiefen führen.
Zehn Autorinnen und Autoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben die heutige Wiederentdeckung des Absinths zum Anlass genommen, ihre jeweils eigene – heitere, skurrile oder ganz und gar finstere – Sicht auf die Blütezeit der „Grünen Fee“ zu präsentieren… (Klappentext)

Der Kuss der grünen Fee 3
© Pink Anemone

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„Das Wasser tröpfelte aus dem Brouilleur über den Zucker in das Absinthglas. Die Tropfen, die in die hellgrünge, klare Flüssigkeit eintauchen, werden nach kurzer Zeit milchig. Alexander legt seinen Kopf auf den Tisch, ganz nahe vor das Glas, sodass es sein gesamtes Sichtfeld einnimmt. Mit jedem auftreffenden Tropfen erzittert die Flüssigkeit von Neuem. Opaken Meteorschweifen gleich wabert das Wasser durch den Absinth, vermischt sich immer mehr damit und lässt allmählich das ganze Getränk erblinden.“
(S. 101 – aus „Pandoras Büchse“ von László I. Kish)

Zehn Kurzgeschichten von zehn AutorInnen die unterschiedlicher und facettenreicher nicht sein könnten, doch alle entführen einen in die  Zeit, in der Absinth äußerst populär war.
Und so erlebt man ergreifende und auch spannende Storys, in denen die Grüne Fee ihren Auftritt hat. Sei es als Medizin, als Schmuggelware oder als Verursacherin von Visionen und Rauschzuständen.

Diese zehn Kurzgeschichten stelle ich Euch nun alle kurz vor, um Euch einen ganz besonderen Blick auf diese Anthologie werfen zu lassen.

Der Kuss der grünen Fee 4
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1. „DES MORDES SCHULDIG“ von Kathrin Lange

Frankreich 1797 und Dr. Pierre erwacht wieder einmal schreiend aus einem Alptraum. Seit 4 Jahren beruhigt die junge Marie ihn, ohne jedoch zu wissen was ihn quält. Nur einmal sagte er, dass er des Mordes schuldig wäre.
Marie würde zu gerne wissen, was Pierre so quält und ob er deshalb damals aus Paris flüchten musste.
Eines Tages ist es soweit und die Vergangenheit holt beide ein, als ein früherer Bekannter plötzlich vor der Tür steht, mit dem Auftrag Pierre zu töten. Die Vergangenheit wurde zur Gegenwart und nun muss Pierre vor Marie die Karten auf den Tisch legen.

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2. „MILCHKRIEG“ von Christiane Güth

Hier befindet man sich in einem Schweizer Amtsgericht im Jahre 1913 und lesen aus der Sicht einer äußerst empörten Dame.
Ihr Mann, der liebe und ruhige Reto, hat Absinth geschmuggelt. Zwischen den Milchkannen, welche sie ausliefern. Man stelle sich das mal vor!
Einen kleinen Denkzettel wollte sie ihm verpassen, doch wer hätte ahnen können, dass das nach hinten losgeht? Doch auch diesmal lässt sich die resolute Dame nicht unterkriegen.

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3. „VOM GLÜCK UND UNGLÜCK AM RANDE DES ABGRUNDS“ von Aje Andrea Brücken

Der Kuss der grünen Fee 5
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Eine Geschichte über eine aufgeweckte und sehr spezielle Frau mit romantischen Todesphantasien, Hang zu Mutproben und unterschütterlichem Mut.
Wie sie ohne Begleitung nach Berlin reist, um im strahlenden Schein des Halleyschen Kometen zu sterben, dabei den Einbrecher Max kennenlernt und all das ihr weiteres Leben beeinflusst.
Natürlich hilft ihr dabei hin und wieder ein Gläschen der grünen Fee.

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4. „DAS OHR“ von Peter Hoeft

Hier begleitet man den französischen Maler Paul Gauguin, welcher von Vincent van Gogh nach Südfrankreich eingeladen wurde, um eine Kunstgalerie zu gründen. Die beiden geraten mehrmals aneinander, bis schließlich einer das Ohr verliert.

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5. „MÄDCHEN FÜR ALLES“ von Gisela Witte

Das Mädchen Anna ist auf der Suche nach einer Anstellung für Hausmädchen und schon bald hat sie auch eine gefunden. Sie scheint einen Glücksgriff gemacht zu haben. Nicht nur das sie endlich ihr erstes eigenes Kämmerchen hat, auch mit den beiden Kindern der Gnädigen kommt sie wunderbar zurecht. Doch wieso lässt man sie nie mit dem Herrn des Hauses alleine?
Eine kleine Geschichte über den sogenannten Butterfly-Effekt.

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6. „PANDORAS BÜCHSE“ von László I. Kish

„Die Fläche zwischen Alexander und dem Rücken der Gaswand war übersät mit Vogelkadavern. 180.000 Kilo verflüssigtes Chlor hatten ihre Ernte begonnen. Die Tiere starben leise. Bevor das überraschte Angstgeheul des Feindes begann, war es für einen kurzen gespenstischen Augenblick vollkommen still …
>>Gott vergib uns<<, murmelte Alexander.
Dann brach die Hölle los.“
(S. 119)

Mit Absinth möchte ein junger technischer Assistent der Chemie vergessen. Er möchte vergessen was er mit seinem Mentor Fritz Haber erforschte, entdeckte und schließlich produzierte. Diese Produktion führte zum ersten Gaskrieg der Neuzeit.
Was als Erfindung für die Menschheit gegen den Hunger begann, endete mit dem Giftgaseinsatz im ersten Weltkrieg.
(Mein absoluter Favorit)

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7. „CHERCHEZ LA FEMME“ von Ulrike Bliefert

Hier erlebt man die letzten Stunden der sinkenden Titanik aus der Sicht eines Betrügers, Hochstaplers und Mörders. Um diese Katastrophe zu überleben ist ihm jedes Mittel recht.

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8. „MARTHA“ von marie Reiners

Die kleinwüchsige Martha arbeitet in einem Varieté als Darstellerin und Prostituierte, um sich und ihre schwer kranke Mutter durchzubringen. Eines Tages wird ein älterer Herr mit Augenklappe auf sie aufmerksam. Er sieht nicht nur böse aus, er ist es auch. Er will sich jedoch nicht mit ihr vergnügen … er will etwas viel Schlimmeres.

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9. „DER REVOLUTIONÄRE GEIST ODER ILYITSCH TRINKT NICHT“ von D.C. Chill

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Eine spannende Agentenstory aus mehreren Perspektiven rund um den britischen Geheimdienst, den 1. Weltkrieg und der russischen Oktoberrevolution. Wie Verstrickungen und Missverständnisse zum Tod und zu einer Revolution unter Wladimir Iljitsch Lenin führen können.

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10. „MAGDALENAS TAGEBUCH“  von Lisa Lohtander

Eine Story in Tagebuchform, die erschreckend und bedrückend zugleich ist, handelt es sich doch um die Einreise deutscher Frauen in den Kolonialstaat Deutsch-Südwestafrika gegen Ende des 19. Jahrhunderts, um dort Mischehen zu vereiteln.
Ein Bericht voller Missgunst, Neid und Rassismus gegenüber der Bevölkerung, der einem gleichzeitig die Unterdrückung der afrikanischen Bevölkerung aufzeigt.
Eine Story, die aktueller nicht sein könnte.

Der Kuss der grünen Fee 9
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Jede Erzählung schließt mit einer „Geschichte zur Geschichte“ ab, in der man einen kleinen Einblick in historische Ereignisse erhält, auf die sich die Story bezieht.
Man bekommt hier also nicht nur gute Unterhaltung geliefert, sondern auch interessante historische Fakten.
Für mich als kleiner Historien-Geek also das Sahnehäubchen auf dem Absinth.

Der Kuss der grünen Fee 7
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„Die Schweiz ist – sozusagen – das Mutterland des Absinth; die Destillation wurde dort trotz aller Verbote nie eingestellt. Eine Einwohnerin des Val-de-Travers namens Berthe Zurbuchen soll – als sie zu einer Geldstrafe wegen Schwarzbrennerei verurteilt wurde – den Richter gefragt haben, ob sie noch im Gerichtssaal zahlen solle oder erst, wenn der Herr Richter das nächste Mal bei ihr vorbeikäme, um sich seine Flasche abzuholen.“
(S. 40 – Hist. Info zu „Milchkrieg“ von Christiane Güth)

Im Anschluß befindet sich noch die Auflistung aller AutorInnen mit kurzer Biographie.

Der Kuss der grünen Fee 8
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Fazit:
Es handelt sich hier zwar nicht, wie angegeben, um eine „Krimi-Anthologie“, „Absinth-Geschichten“ wäre z.B. ein treffenderer Titel gewesen, doch ich fühlte mich trotzdem gut unterhalten.
Es war keine Story dabei, die mir nicht zugesagt oder nicht gefallen hätte und das ist bei einer Anthologie ja fast ein Ding der Unmöglichkeit – zumindest was mich betrifft.
Facettenreiche Geschichten, die mich schmunzeln ließen, mich aber auch gespannt, entrüstet, entzückt oder traurig die Seiten umblättern ließen. Tolle Leserunterhaltung, die man am besten bei einem Gläschen Absinth genießt.

© Pink Anemone

Der Kuss der grünen Fee 2
© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen
  • Herausgeber: Dryas Verlag; 1. Edition (1. März 2014
  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • ISBN-10: 3940855510
  • ISBN-13: 978-3940855510
  • Preis: ab 19,57€ (Stand vom 28.03.2021)
  • Auch erhältlich als: E-Book
der kuss der grünen Fee
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