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Comic-Rezension „Die Frau ist frei geboren“ von José-Louis Bocquet (Autor) & Catel Muller (Illustratorin) ★★★★ & Kurzbiographie

Diese Rezension veröffentliche ich im Rahmen meines Osterspecial „Vintage Easter“.
Dort findet Ihr Bücher von/mit/über starke Frauen für den ein oder anderen Osterkorb (Comic, Klassiker, diesen Mystery-Crime für Kinder ab 10 Jahren, Absinth-Anthologie und Urban-Fantasy ab 16 Jahren), Rezepte für den Ostertisch und auch DIY-Anleitungen.
Wenn Ihr Lust habt darin zu stöbern, dann einfach auf das untere Bild klicken.

© Pink Anemone

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„Die Frau ist frei geboren“ von José-Louis Bocquet (Autor) & Catel Muller (Illustratorin)

18. Jahrhundert / Eine tolle und informative Comic-Biographie einer der wichtigsten Frauen des Feminismus

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© Pink Anemone

Von Montauban 1748 bis zum Pariser Schafott 1793: Fünfundvierzig Jahre des außergewöhnlichen Lebens einer Frau und die Erfindung einer neuen Idee in Europa: der Kampf für die Rechte der Frauen. In einer bürgerlichen Familie in der Provinz geboren, vermutlich als uneheliches Kind eines Dramatikers, hat Marie Gouze, genannt Olympe de Gouges, die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts durchquert, wie es nur wenige Frauen taten. Als Schriftstellerin und engagierte Polemikerin grenzt sie sich durch ihren unabhängigen Geist und die mitunter radikale Originalität ihrer Standpunkte ab. Sie setzt sich für die Abschaffung der Sklaverei und insbesondere für die bürgerlichen und politischen Rechte der Frauen ein. Wegen ihrer Ablehnung von Robespierre und den Verfechtern der Revolution wird sie während der Terrorherrschaft guillotiniert. Catel und Bocquet schildern in romanhafter und doch historisch präziser Weise das Leben dieser besonderen Frau, deren Ideale ihrer Zeit voraus waren und die Kernwerte unserer heutigen Gesellschaft bilden. Ein wunderbares Frauenporträt und eine leidenschaftliche Hommage an eine der wichtigsten Figuren des Feminismus… (Klappentext)

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© Pink Anemone

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„>>Dann ist unser Kampf noch längst nicht beendet. Die Frauen sind von Bildung und Macht ausgeschlossen. Bloß gut, dass man uns nicht verboten hat zu schreiben!<<
>>Genau. Tauchen wir unsere Federn in das Tintenfass der Hoffnung!<<“
(S. 334)

Olympe de Gouges ist bei uns eher unbekannt und das obwohl sie eine der wichtigsten Vorreiterin der feministischen Bewegung war – das bereits schon im 18. Jahrhundert.
Wenn, dann hört man eher als Kurtisane mit unangepasstem Lebensstil von ihr, wobei ihr politisches und feministisches Engagement völlig in den Hintergrund rückt oder gleich überhaupt nicht erwähnt wird. Das war jedoch zu ihren Lebzeiten schon der Fall.

Dieser Comic wirkt dem entgegen und lässt die Erinnerung an sie aufleben, indem er sich ihrem Leben widmet und so auch der jüngere Generation zugänglicher und interessanter macht.
Hier erfährt man alles Wesentliche von der Französin, begonnen bei ihrer Geburt, bis hin zu ihrem Gang zum Schafott.

Für diejenigen, die noch nie etwas von Olymp de Gouges gehört haben, hier ein kurzer Lebenslauf:

Kurzbiographie
Portrait d'époque q michelroureraconte.unblog.fr
Portrait d’époque / Quelle: michelroureraconte.unblog.fr

Olympe de Gouges wurde am 07.05.1748 als Marie Gonze in Südfrankreich in ein kleinbürgerliches Leben hineingeboren. Sie entstand vermutlich aus einer Affäre ihrer Mutter mit dem Adeligen Jean-Jacques Le Franc de Pompignan. Dieser bekannte sich natürlich nie zu seiner Tochter.

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© Pink Anemone

Sie wurde vermutlich noch minderjährig und gegen ihren Willen, mit Louis-Yves Aubry verheiratet. Das diese Ehe nicht gut gehen konnte, war vorhersehbar, denn Olympe scheint schon zu diesem Zeitpunkt eine genaue Vorstellung von ihrem Leben gehabt zu haben und fand einen Weg aus dieser Ehe. Genauere Umstände sind jedoch nicht bekannt.

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Sie zog mit 22 mit ihrem Sohn nach Paris, ließ ihren Mann zurück und bezeichnete sich ab diesem Zeitpunkt als Witwe. Ab nun nannte sie sich Olympe de Gouges und führte ein selbstbestimmtes Leben. Das allein reichte in der damaligen Zeit schon um einen Skandal heraufzubeschwören.
Doch sie sorgte nicht nur aus diesem Grund für Gerede in der Pariser Gesellschaft, denn sie lehnte nicht nur eine  Heirat ab, sondern lebte auch noch in wilder Ehe mit dem adeligen Unternehmer Jacques Biétrix de Rozières, der sie auch finanziell unterstützte.

Jacques Biétrix de Rozières
Bildquelle: olympe-de-gouges.info

So war es ihr möglich vernünftig lesen, schreiben und die Sprache der Gelehrten zu lernen. Dies öffnete ihr Türen zur illustren Pariser Gesellschaft von Schriftstellern, Philosophen und Politikern. Doch Olympe war das nicht genug, sie wollte mehr und etwas bewirken.

Sie schlug zunächst den schriftstellerischen Weg ein und schrieb auch Theaterstücke. In allen Werken äußerte sie sich sozial- und gesellschaftskritisch, zum Beispiel gegen den Sklavenhandel, die Unterdrückung der Frauen oder Bestrafung von Armut durch Schuldhaft.

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© Pink Anemone

Doch trotzdem ihr bereits hier Steine und vor allem Widerstand entgegenschlug, war auch das für Olympe de Gouges nicht genug.
Sie begann, nur wenige Monate vor dem Ausbruch der Revolution, ihre politische Meinung öffentlich zu vertreten und das mittels Petitionen, öffentlichen Aushängen und Pamphlete.
Was sie forderte sorgte jedoch nicht nur in der oberen Gesellschaftsschicht für Empörung, sondern vor allem in der patriarchalen Gesellschaft. Sie machte sich nämlich nicht nur, unter anderem, für die Trennung von Kirche und Staat, freie Wahlen, Abschaffung der Todesstrafe und Privilegienabbau stark, sondern auch für die Gleichberechtigung und Chancengleicheit der Frau.
Dies war dann leider auch der Anfang vom Ende und sie wurde nach kurzer Inhaftierung am 03.11.1793 hingerichtet.

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© Pink Anemone

„>>Das Land muss wirklich begreifen, wie viel Unrecht den Frauen getan wird. Ich habe die Schwarzen verteidigt, und meine Schwestern werden nicht viel besser behandelt.
Wenn eine untreue Ehefrau oder eine ungehorsame Tochter fürs ganze Leben in ein Kloster gesteckt werden kann, nur weil ein Ehemann oder Vater das will, ist das nicht ein Skandal?<<“
(S. 320)

Im Comic erfährt man, in Kombination mit fiktiven Elementen, das alles noch genauer und viel mehr. Obwohl ich das tragische Ende dieser starken Frau kannte, fieberte ich mit.

Auch der sehr einfache zeichnerische Stil von Catel Muller in schwarz-weiß konnten überzeugen, wenn auch manchmal etwas zu dunkel schraffiert.

Die Frau ist frei geboren 11 Auszug aus Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791
Auszug aus Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791 / © Pink Anemone

Da es im Lebenslauf von Olympe de Gouges auch Lücken gibt, sind auch manchmal gewaltige Zeitsprünge vorhanden. Dies betrifft aber nur ihre früheren Jahre.
Ich war jedoch vom darin enthaltenen Jargon nicht immer ganz so angetan, da dieser allzu hip und daher völlig deplatziert wirkt.

Im Anschluß gibt es dann noch ein Literaturverzeichnis und ein Personenregister, inklusive Kurzbiographie der jeweiligen Personen.

Die hochwertige HC-Ausgabe aus dem Splitter-Verlag mit Umschlag ist ein zusätzlicher Pluspunkt, der diesen Comic nicht nur im Regal gut aussehen lässt, sondern einem auch immer wieder zum Schmökern einlädt.

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© Pink Anemone

„>>Hörst du denn gar nicht mehr auf zu schreiben, Olympe?<<
>>Mein Körper ist gefangen, aber mein Geist ist frei. Und da unsere Kerkermeisterin das Geld liebt und meine treue Justine zu mir hält, finden meine Schriften ihren Weg zum Drucker und sodann an die Mauern in ganz Paris.<<“
(S. 393)

Fazit:
Mit dieser Comic-Biographie der Feministin und Revolutionärin Olympe de Gouges habe ich mir nicht nur ein wahres Comic-Schmankerl ins Regal geholt, sondern auch eine tolle und vor allem interessante und informative Biographie, welche die Erinnerung an diese faszinierende und mutige Frau wieder hochleben ließ.
Für die jüngere Generation, Interessierte und vor allem für diejenigen, welche Olympe de Gouges noch nicht kennen, ein toller und leichter Einstieg.
Und somit beende ich meine Rezension mit einem Zitat von Olympe de Gouges:

„Mann, bist du fähig, gerecht zu sein? Es ist eine Frau, die dir diese Frage stellt, zumindest dieses Recht nimmst du ihr nicht. Sag mir, wer hat dir die unumschränkte Herrschaft verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken? Deine Kraft? Deine Begabungen? Beobachte den Schöpfer in seiner Weisheit; prüfe die Natur in ihrer ganzen Größe, der du dich annähern zu wollen scheinst, und gib mir, wenn du es wagst, ein Beispiel für diese Tyrannenherrschaft….“
(Olympe de Gouges)

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Weitere Infos zu Olympe de Gouges von der Österreicherin Dr. Viktoria Frysak

Lebenslauf, Einblick in „Die Rechte der Frau“ und interessantes Literaturverzeichnis

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen
  • Herausgeber: Splitter-Verlag; 1., Edition (1. Januar 2013)
  • Originaltitel: „Olympe de Gouges“
  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • ISBN-10: 9783868695618
  • ISBN-13: 978-386869561
  • Preis: ab 36,11€ (Stand vom 09.04.2021)
Die Frau ist frei geboren
© Pink Anemone

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Autoren- & Illustratoren-Info

José-Louis Bocquet (Autor)

José-Louis_Bocquet c Jean-Marie DAVID q wikipedia
©Jean-Marie DAVID / Bildquelle: Wikipedia

José-Louis Bocquet war immer schon ein Comic-Fan. Mit 13 Jahren soll er sein erstes Fanzine herausgebracht haben. Danach hat er im Comic fast alles gemacht: er war Händler, Lektor, Kritiker und Autor. Als Szenarist hat er bei Verlagen wie Dupuis, Albin Michel, Glenat, Casterman und anderen veröffentlicht. Für „Kiki“ erhielt er zahlreiche Preise in Frankreich.

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Catel Muller (Illustratorin)

Catel Muller q splitter-verlag
Bildquelle: Splitter-Verlag

Catel Muller wurde in Straßburg geboren, wo sie später Kunst studierte. Seit 1990 arbeitet sie als Illustratorin für Romane und Kinderbücher. Mittlerweile hat sie auch verschiedene Comicstoffe für Erwachsene gezeichnet, auf deutsch erschienen bereits die Graphic Novel-Biografien „Kiki vom Montparnasse“ (Carlsen) und „Olympe de Gouges“.

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2 Kommentare zu „Comic-Rezension „Die Frau ist frei geboren“ von José-Louis Bocquet (Autor) & Catel Muller (Illustratorin) ★★★★ & Kurzbiographie

    1. Hallo Elisa,
      Ich habe vor einer Ewigkeit, sicher schon über 10 Jahre her, eine Biographie von ihr gelesen. Frag mich nicht wie das Buch hieß, es war eine Ausgabe aus den 80ern. Dieser Comic ist erfrischend und fasst alles sehr gut zusammen, um sich einen ersten Blick in ihr Leben zu verschaffen oder, wie es bei mir der Fall war, das Wissen nochmal in Erinnerung zu rufen. Mir hat es super gefallen und es darf auch in meinem Regal bleiben *g*.

      Liebe Grüße aus Wien
      Conny

      Gefällt 1 Person

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