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Rezension „Cthulhus Ruf – Choose Cthulhu – Spielbuch 1“ von Víctor Conde ★★★★

Ein spannendes und atmosphärisches Read & Jump-Spielbuch für zwischendurch. Vor allem für Anfänger geeignet.

Ich liebe die Werke von H.P. Lovecraft und habe schon eine ziemlich große Sammlung davon im Regal stehen. Nun wurde es Zeit endlich mal einen passenden Musik-Soundtrack dafür zu erstellen und den will ich Euch natürlich nicht vorenthalten.

YT-Link zur Playlist – zusammengestellt von © Pink Anemone

Diesen könnt Ihr Euch während des Lesens meiner Rezension zu diesem Spielbuch gönnen … oder wenn Ihr selbst in die Storys voller Wahnsinn von H.P. Lovecraft eintaucht.

Nun aber ab zur Rezension….

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„Cthulhus Ruf 1 – Choose Cthulhu“ von Victor Conde

© Pink Anemone

Im Winter 1926 erreicht dich die Nachricht über den mysteriösen Tod deines Großonkels George Gammell Angell, einem Professor für Sprachen an der Brown University. In welche Art von unheimlichen Studien war er verwickelt? Was hat es mit dieser schrecklichen Tonskulptur – zur Hälfte Drache, zur Hälfte Oktopus – auf sich, die sich unter seinen Hinterlassenschaften befindet?
Wirst du den Mut aufbringen, dich der Herausforderung zu stellen, um gegen einen alten Kult zu kämpfen, der alptraumhafte Kreaturen aus Zeit und Raum verehrt? … (Klappentext)

© Pink Anemone

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„Die Dinge, die du bisher im Verlauf deines Abenteuers gesehen hast, haben dich zu der Annahme gebracht, dass es hinter der natürlichen Welt, hinter dem Profanen, noch eine Wirklichkeit gibt, zu der nur wenige Zugang haben. Und diejenigen, die dorthin geglangen, werden wahnsinnig, weil sie die Mysterien, die jenseits liegen, nicht begreifen können.“
(S. 36)

Man befindet sich im Jahr 1926 und schlüpft in die Rolle eines Anthropologie-Studenten.
Eigentlich will man die Ferien und somit die Studienpause genießen, doch schlechte Nachrichten erwarten uns. Unser geliebter Großonkel ist verstorben. Zugegeben, mit 92 Jahren hatte er schon ein stattliches Alter und doch kommt sein Tod unerwartet, war er doch, trotz seines Alters, ein rüstiger Mann.
Angeblich ist er auf seinem Nachhauseweg gestürzt und die schweren Verletzungen führten zu seinem Tod. Das Gefühl sagt uns aber etwas anderes und zwar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Dieses Gefühl verstärkt sich, als wir seine Hinterlassenschaften durchgehen.
Unser Onkel scheint etwas Mysteriösem auf der Spur gewesen zu sein – überall taucht das Wort „Cthulhu“ auf und es ist die Rede von irgendeinem Kult. Wir beschließen natürlich dem nachzugehen.
Das Abenteuer beginnt und der Wahnsinn ist nah.

© Pink Anemone

„Kein Licht leuchtet, nicht einmal vom Himmel (der Mond ist nicht zu sehen, und die Sterne sind wolkenverhangen), und die gesamte Landschaft sieht aus wie ein riesiges, schwarzes Leichentuch.“
(S. 70)

Ich wurde von meinem Spielbuch-Dealer und -Berater vom Mantikore-Verlag gewarnt, dass dieses Spielbuch eher für Anfänger gedacht ist und ich mich womöglich langweilen werde. Doch ich möchte auch für absolute Anfänger Spielbücher vorstellen, die eventuell in kleinen Schritten in die interaktive Buchwelt eintauchen möchten.
Außerdem bin ich absoluter H.P. Lovecraft-Cthulhu-Fan („Anhänger“ könnte hier eventuell missverstanden werden *g*), ergo musste das Buch in mein Regal.

Dieses Buch ist definitiv für Anfänger geeignet, aber nicht nur.
Man benötigt hier weder Würfel, noch andere Utensilien, wie z.B. Stift und/oder Notizbuch. Es ist nämlich ein simples Read & Jump-Spielbuch. Das bedeutet, dass einem, je nachdem welche Entscheidung man trifft, im Buch gesagt wird, an welcher Stelle man weiterzulesen hat.
Daher ist es von den getroffenen Entscheidungen abhängig, wie sich die Story entwickelt. So eben auch in diesem Spielbuch, welches einem in die okkulte Welt von H.P. Lovecraft entführt und wir dem Cthulhu-Kult auf den Fersen sind … oder auch nicht.

© Pink Anemone

Man kommt hier bei den Ermittlungen ganz schön rum und erlebt so Einiges.
Je nachdem wie man sich entscheidet begibt man sich zum Beispiel nach New Orleans, um einen Voodookult aufzuhalten, beobachtet einen jungen Mann im Schlaf, der von Alpträumen geplagt wird und währenddessen ein Gemälde zum Leben erwacht. Man kann sich auch nach Grönland begeben, um einen Inuto-Stamm zu besuchen, der, Gerüchten zufolge, einem dunklen und obskuren Kult huldigt oder man segelt in die andere Richtung und erfährt eventuell was aus der „TERROR“ geworden ist. Und wem der Name „Captain Englehorn“ etwas sagt, kann sich vielleicht vorstellen auf welcher Insel man noch landen kann.
Man kann natürlich auch sterben oder, im typischen Lovecraft-Style, dem Wahnsinn verfallen. Dann endet das Abenteuer vorzeitig in der Gummizelle einer Nervenheilanstalt.

© Pink Anemone

„Die Wasserfarbe auf dem Gemälde scheint sich zu bewegen! Es ist, als wären die gemalten Figuren zum Leben erwacht und würden aus dem Rahmen auf den Boden tropfen.
Siehst du das wirklich, oder bildest du es dir ein? Was verursacht dieses Phänomen? Liegt es an Wilcox‘ Traum oder an der Halskette? War Whiskey in deinem Kaffee, der dir zu Kopf steigt?“
(S. 57)

Ich habe für Euch natürlich alle möglichen Wege durchgespielt. Bin dafür 3x gestorben, habe 1x die Welt ins Chaos gestürzt, bin 1x zum Anfang katapultiert worden und satte 5x (!!) bin ich dem Wahnsinn verfallen. Meine Güte, was tut man nicht alles für seine Leserschaft.
Obwohl ich mittlerweile schon ein kleiner Profi bin was Spielbücher angeht und mich nach der „Warnung“ schon darauf eingestellt hatte mich zu langweilen, war das Gegenteil der Fall. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Das lag nicht nur am einfachen und knackigen Schreibstil des Autors und der düsteren Atmosphäre, die mich während des Lesens umgab. Vielmehr machte es Spaß die verschiedenen Wege einzuschlagen und spannend zu verfolgen wohin es mich wohl diesmal verschlägt.
Man kann nicht nur dem Cthulhu-Kult entdecken, sondern so manch anderes und diese kleinen Schmankerln fühlen sich dann an wie kleine Eastereggs, wenn man die ein oder anderen Bücher/Filme kennt.

© Pink Anemone

„Es hat kein gutes Ende genommen, lieber Freund.
Wenn du dies hier liest, so bedeutet das, dass alle Schrecken und Geheimnisse, auf die du im Verlauf deines Abenteuers gestoßen bist, zu viel für dich waren. Dein kleinlicher, westlicher, rationaler, menschlicher Verstand konnte es nicht ertragen, solchen Anblicken ausgesetzt zu sein, und du bist wahnsinnig geworden.“
(S. 83)

Man springt jedoch nicht immer wie wild durch das Buch, denn die verschiedenen Storyverläufe mit ihren Sektionsnummern sind dann doch nacheinander angeordnet, ergo liest man hier dann doch Seite für Seite.
Die Intention dahinter ist wohl, dass dadurch weniger die Möglichkeit besteht einen anderen Storyverlauf zu spoilern, was bei so einem dünnen Büchlein ja schnell der Fall sein kann.
Auch hat man das Gefühl, dass Sektionsnummern fehlen, diese wurden jedoch durch ganzseitige Illustrationen ersetzt. Diese stammen aus der Feder des Zeichners Eliezer Mayor. Diese sind stimmungsvoll und sorgen zwischendurch für Abwechslung und zusätzliche Atmosphäre.

© Pink Anemone

Ich habe mir jedoch auch ein paar Rätsel erwartet, die hier leider überhaupt nicht vorkommen. Diese hätten dem Ganzen noch den gewissen Kick verliehen. Immerhin müssen die Protagonisten von H.P. Lovecraft auch immer irgendetwas dechiffrieren oder zusammensetzen.
Zudem gibt es nur einen richtigen Weg, ergo ein Ende, zumindest wenn man nicht sterben oder wahnsinnig werden will. Auch hier hätte ich mir zumindest einen zweiten „richtigen“ Weg als Möglichkeit erwartet.

Im Anschluß gibt es noch ein Bestiarium und als besonderes Schmankerl die Kurzgeschichte „Cthulhus Ruf“ von H.P. Lovecraft zu lesen.
Die Übersetzung ist modernisiert und vereinfacht und daher für diejenigen geeignet, welche normalerweise keine Klassiker lesen. Ich persönlich bevorzuge dann doch die Bücher aus dem Festa-Verlag.

© Pink Anemone

„Die größte Gnade auf der Welt ist die Unfähigkeit des menschlichen Verstandes all seine Inhalte in Beziehung zu setzen. Wir leben auf einer ruhigen Insel der Unwissenheit inmitten eines finsteren Meeres der Unendlichkeit …“
(S. 83)

Fazit:
Es ist ein simples aber dennoch spannendes und atmosphärisches Read & Jump-Spielbuch für zwischendurch. Ich selbst habe es mit allen möglichen Wegen innerhalb weniger Stunden durchgespielt und wurde, trotz der oben genannten Mankos, gut unterhalten.
Man darf sich von so einem dünnen Buch eben nicht zu viel erwarten, vor allem keine Rätsel … leider.
Für Anfänger, Read & Jump-Spielbuch-LiebhaberInnen, Lovecraft-Fans und vor allem, wenn man so manche Filme/Bücher kennt, ist es jedoch ein amüsanter Zeitvertreib, inklusive toller Illustrationen und kleiner Eastereggs.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

Rezensionsexemplar mit herzlichem Dank an den Mantikore-Verlag!

Link zum Verlag
  • Herausgeber: Mantikore-Verlag; 1. Edition (8. Februar 2021)
  • Originaltitel: „Choose Cthulhu: The call of Cthulhu“
  • Taschenbuch: 184 Seiten
  • ISBN-10: 3961881200
  • ISBN-13: 978-3961881208
  • Preis: ab 14,95€ (Stand vom 12.05.2021)
  • Auch erhältlich als: E-Book, HC
© Pink Anemone

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Autoren- & Illustratoren-Info

Víctor Conde

Bildquelle: Thienemann-Esslinger-Verlag / © Sara Moana

Víctor Conde wurde 1973 in Santa Cruz auf Teneriffa geboren, er ist verheiratet und hat eine Tochter. 2010 gewann er den angesehenen „Premio Internacional Minotauro“ für den besten fantastischen Roman. Zuvor war er schon zweimal für den Preis nominiert. Auch seine letzten Romane wurden von Kritikern und Lesern gleichermaßen begeistert aufgenommen. Die Trilogie „Boten des Lichts“ ist Victor Condes ambitioniertestes Projekt im Bereich Fantastisches Jugendbuch.

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Eliezer Mayor

Bildquelle: juegosydados.wordpress.com

Geboren im Februar 1980 in Santa Cruz auf Teneriffa. Schon in jungen Jahren fand er seine Leidenschaft für Kunst. Als Autodidakt befriedigte er seine künstlerische Neugier – insbesondere  Illustrationen, bevor er Fernando Estévez (Kunstgewerbeschule in Santa Cruz, Teneriffa) besuchte, wo er neue Techniken lernte und sich auf Gravur und klassischen Druck spezialisierte.

HIER kommt Ihr zur Seite dieser Spielbuch-Reihe.

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