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Rezension „Uzumaki – Spiral into Horror“ von Junji Ito ★★★★★

Abgefahrener und makabrer Manga-Horror mit Lovecraftscher Atmosphäre!

Schon ewig liegt mir Christin von Life4Books mit ihren Manga in den Ohren und genauso lange rollte ich immer leicht genervt mit den Augen.
Unter Manga verstand ich immer diese lieblichen Illustrationen von minderjährig wirkenden Mädchen mit ebenso großen Titten wie Augen – egal welches Genre betreffend. Ich fand ja in meiner Jugend schon „Sailor Moon“ absolut affig (Shitstorm in 3…2…1….?).
Auch eine Kollegin von mir, wie Christin begeisterte Bücher- und auch Manga-Leserin mit Liebe zum Horror, wusste von meiner Abneigung, doch ihr war das völlig latte und so legte sie mir eines Tages im Nachtdienst, also eigentlich „eines Nachts“, einfach mal die englische Ausgabe „Uzumaki“ von Junji Ito vor die Nase. Ihre Worte: „Das MUSST du lesen!!!! Und wehe du liest das nicht!!!“
Tja, da stand ich nun mit dem Wälzer von Manga und ich schüchternes Etwas traute mich natürlich nicht „Nein“ zu sagen (jaaa, so war das ganz echt..ich schwöre!!).
Vor lauter Angst vor der böse dreinblickenden Sheila begann ich schließlich nach wochenlangem Herumschleichen mit dem Manga. Und was soll ich sagen – nachdem ich die englischsprachige Ausgabe durch hatte, bestellte ich sofort die deutschsprachige und tauchte nochmals in den Horror voller Spiralen ein.
Ich denke, ich gehöre nun auch zu den Mangaleserinnen. Manchmal muss man zu seinem Glück eben gezwungen werden und über den bibliophilen Tellerrand blicken *g*.

Nun will ich Euch den Manga natürlich nicht vorenthalten und im Anschluß gibt es sogar ein Rezept zum Buch … öhm.. Manga. Aber vorerst ab zur Rezension….

Thin black spiral symbol. Simple flat vector design element

„Uzumaki – Spiral into Horror“ von Junji Ito

Uzumaki 7
© Pink Anemone

In Kurouzu geschieht Seltsames: Ein Einwohner nach dem anderen dreht durch. Schuld daran scheinen die Spiralen zu sein… Kirie glaubt anfangs nicht an die düsteren Theorien ihres Freundes Shuichi, doch logische Erklärungen gibt es nicht. Der Horror zieht seine Kreise! … (Klappentext)

Uzumaki 9
© Pink Anemone

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„>>Das liegt an dieser Stadt. Sie ist mit Spiralen verseucht! Verlass Kurouzu, so schnell Du kannst.<<“
(S. 91)

Kurouzu ist ein kleines und beschauliches Städtchen in dem Kirie und ihr Freund Shuichi leben. Shuichi fällt als Erstes auf, dass mit dem Städtchen etwas nicht stimmt und das nicht nur weil er nun auswärts zur Schule geht, sondern sein Vater sich äußerst seltsam benimmt.
Shuichis Vater ist nämlich seit Kurzem von Spiralen besessen. Alles was eine Spiralform hat fasziniert ihn und er starrt stundenlang darauf. Dann beginnt er diese Dinge zu sammeln und lässt sich Dinge mit Spiralformen herstellen, anschließend ist er von Spiralen so besessen, dass er darauf besteht nur noch Lebensmittel zu sich zu nehmen, die wie eine Spirale aussehen. Dies steigert sich immer mehr, bis es auch zu körperlichen Veränderungen und schließlich zu seinem Tod unter äußerst schaurigen Umständen führt.
Während Kirie und Shuichi nun denken, dass das nun endlich vorbei ist, beginnt der wahre Horror nun erst so richtig. Der Wahnsinn hat nun nämlich auf Shuichis Mutter übergegriffen, jedoch auf ganz andere Art und Weise. Seine Mutter leidet nämlich seit dem Tod ihres Mannes an Spiralphobie, die zu besonders makabren Selbstverletzungen führt. Nun ist selbst Kirie klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, doch es scheint schon zu spät zu sein, denn plötzlich scheinen Menschen nicht nur dem Wahnsinn zu verfallen, sondern verändern sich auch körperlich – die Spirale des Horrors beginnt sich zu drehen und wird immer schneller.

Uzumaki 10
© Pink Anemone

„An dem Tag, an dem sie starb und ihr Körper verbrannt wurde, bildete sich eine weitere schwarze Spirale am Himmel über unserer Stadt.“
(S. 74)

Der Horror beginnt langsam, steigert sich jedoch rasch und nach nur wenigen Seiten steckt man in einer Horrorwelt voller archimedischer und logarithmischer Spiralen. Spiralen, die sich drehen und so die Figuren in den Wahnsinn treiben. Spiralen, die die Figuren herumwirbeln, ein- oder aussaugen und in jedem und allem vorhanden sind.
Es wird hier nicht nur gruselig, sondern vor allem brutal, makaber und grausam, während einem gleichzeitig eine psychedelisch anmutende und lovecraftsche Atmosphäre umgibt.

Uzumaki 11
© Pink Anemone

„Was war das bloß auf ihrer Stirn?! Als ob sich eine Spirale in ihren Schädel bohrte…“
(S. 96)

Dabei hält sich Junji Ito auch zeichnerisch nicht zurück und schafft es auf intensive Weise all den Horror, all die Atmosphäre an die LeserInnen zu transportieren.
Die Illustrationen sind, bis auf wenige Ausnahmen, in schwarz-weiß gehalten und stecken voller Liebe zum Detail. Diese lassen den Horror dadurch erst so richtig bei einem einziehen und einem in den Kopf des Autors blicken.

Uzumaki 1
© Pink Anemone

Die Handlung ist in der Deluxe-Gesamtausgabe in 19 Kapitel unterteilt und jedes Kapitel enthält eine mehr oder weniger in sich abgeschlossene Story, die jedoch alle aufeinander aufbauen und zusammen eine große Gesamtstory ergeben.
So enthält dieser Manga, unter anderem, eine Story über Menschenschnecken, Schwangere, die sich wie Moskitos benehmen und nach Blut gieren, oder eine Story in der sich eine Hauterkrankung ausbreitet, die Hörner aus einem wachsen lassen, ein aufgelassener Leuchtturm plötzlich wieder zu leuchten beginnt und vieles mehr … vor allem viele Wirbelstürme.

Uzumaki 2
© Pink Anemone

„>>Es war einfach sensationell in seinem Schneckenhaus … seine Weichteile zu verspeisen … meinen ganzen Körper in seine feuchten, wundervollen Windungen hineinzupressen …<<“
(S. 553)

Doch die Storys enthalten nicht nur makabren und brutalen Horror, sondern auch durchaus Tiefe. Es werden zum Beispiel Mobbing, Hass, Geltungssucht und krankhafte Besessenheit thematisiert, die die Figuren in eine ganz eigene Spirale des Abgrundes hinabziehen.

Uzumaki 12
© Pink Anemone

„>>Spiralen saugen alles in sich ein. Das Auge folgt dem Muster bis ins Zentrum. Alle, die von der Spirale besessen sind, wollen die Aufmerksamkeit anderer.<<“
(S. 175)

Die Aufmachung darf hier nicht unerwähnt bleiben.
Die Deluxe-Gesamtausgabe kommt nämlich in einer qualitativ hochwertigen Hardcover-Ausgabe daher.
Ich habe sowohl die englische, als auch die deutsche Ausgabe gelesen und empfehle eindeutig die deutsche Ausgabe. Diese enthält, im Gegensatz zur englischen Ausgabe, nicht nur ein Nachwort des Autors zur Entstehung der Geschichte, sondern gleich drei und zusätzlich noch eine bisher unveröffentlichte Story, welche mit „Verschollenes Kapitel“ betitelt ist.

Fazit:
„Abgefahrener geiler und kranker Scheiß“ war das Erste, was mir durch den Kopf ging, aber das kann man ja schlecht als Fazit einfach so stehen lassen.
Dieses Buch war mein erster Manga überhaupt und für mich somit der Einstieg in die Manga-Welt … und was für einer!
Ich liebe komplexen Horror, dabei kann es gerne auch durchaus brutal und makaber zur Sache gehen, und ich bin auch ein Fan der Werke von H.P. Lovecraft. Junji Ito hat dies alles in diesen fantastischen Manga gepackt und das in einem tollen Zeichenstil (zum Glück alles andere als lieblich). Danach wird man seinen Kaffee mit ganz anderen Augen umrühren.
Nicht nur, dass dies nicht mein letzter Manga war, sondern auch mit Sicherheit nicht mein letzter Ito.

© Pink Anemone

Uzumaki 8
© Pink Anemone
 

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Leseprobe
 

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Weitere Buchinformationen
  • Herausgeber: Carlsen (27.08.2019)
  • Deluxe-Gesamtausgabe: Hardcover 656 Seiten
  • ISBN: 9783551757524
  • Altersbeschränkung: ab 16 Jahren
  • Preis: ab 28,00€ (Stand vom 29.05.2021)
Uzumaki
© Pink Anemone / Englischsprachige Ausgabe

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Autoren-Info
Junji Ito q wikipedia
Bildquelle: Wikipedia

Junji Ito gab 1987 sein professionelles Manga-Debüt und gilt seitdem als einer der größten zeitgenössischen Künstler des Horror-Genres. Zu seinen Titeln gehören Tomie und Uzumaki, die in Live-Action-Filme umgewandelt wurden; Gyo, der in einen Animationsfilm umgewandelt wurde; und seine Kurzgeschichtensammlungen Fragmente des Grauens, Schauer und Frankenstein, die alle bei VIZ Media erhältlich sind. Zu den Einflüssen von Ito zählen die klassischen Horror-Manga-Künstler Kazuo Umezz und Hideshi Hino sowie die Autoren Yasutaka Tsutsui und H.P. Lovecraft.

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Rezept zum Manga

Spiral-Pilz-Wok aus Kurouzu

Zu diesem veganen Wok-Rezept gelangt Ihr durch einen Klick auf das Bild

Spiral-Pilz-Wok aus Kurouzu 9 Button
© Pink Anemone

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10 Kommentare zu „Rezension „Uzumaki – Spiral into Horror“ von Junji Ito ★★★★★

  1. Yeeey! Endlich ist die Rezension da! Mit einer kleiner Erwähnung meiner Wenigkeit :“-) es freut mich voll, dass du den Mangas eeeeendlich eine Chance gibst. War eine schwere Geburt.. 🙄
    Die Präsentation find ich auch super mit den kleinen Schneckenhäuschen daneben. Ich bin entzückt! xD

    Bin schon gespannt auf andere Manga Rezensionen von dir ;)))

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    1. Haaaa, und da ist die Übeltäterin höchstpersönlich XD.
      Ja, ich weiß. Du hast Dir bei mir echt den Mund fusselig geredet. Hatte schon Angst Du verprügelst mich mit nem Leibstuhlkübel aus Zimmer 6, wenn ich nicht bald beginne XD
      Es war echt soooo abgefahren!! Bin schon am Überlegen welchen Ito ich als nächstes lese.
      Pssst…vielleicht nehme ich Dir demnächst was in den Dienst mit *zwinker zwinker* *g*

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  2. Das Mangas was taugen, hätte ich dir auch sagen können. Aber ich schau sie in der Regel eher als das ich sie lese. Und man kann doch in einer Rezension nicht Titten schreiben. Da benutzt man die Bezeichnung „weibliche Attribute“^^ Ansonsten wieder sehr gelungene Rezension, tolle Aufmachung, Inszenierung, Präsentation etc pp, wie man es von dir gewohnt ist. Bis halt auf diesen einen Fauxpas.

    Gefällt 1 Person

    1. Ach, sieh an, der Herr Locke Lamora ist auch wieder da. Also das Du Dich über das Wort TITTEN mokierst überrascht und empört mich gleichermaßen XD
      Aber wenigstens hast Du dann ein Kompliment hinterhergeschoben und vielen Dank dafür.

      Liebe Grüße usw., etc., pp
      Ach ja, und … PENIS

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      1. Sehr geehrte Frau Anemone,

        ich mokiere mich nicht über das Wort Titten als solches, sondern im Zusammenhang mit einer Buchrezension. Wenn Susi Schneckenschiss über Nancy Nackedei und Lucy Luder berichtet, die schon immer mal nackt posieren wollten, dann kann man von mir aus in jedem Satz das Wort Titten verwenden. Aber in einer Rezension einer Buchkritikerin erwarte ich eine angemessene Seriösität und eine dementsprechende Wortwahl. *erhobener Zeigefinger*

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          1. Ich sehe schon, dass das hier keinen Sinn hat. *mich in meinen Barocksessel setze, weiter Shakespeare lese und gelegentlich an meinem 84er Chardonnay nippe, während im Hintergrund Mozart läuft*

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  3. Hallöchen Conny! =)
    Huiiii das schaut ja einfach mal MEGA interessant und abgefahren aus – und ganz ehrlich, würde nicht Manga draufstehen, ich hätt es auch nicht zwingend als solchen erkannt. 😀 (Sprach die, die sich hauptsächlich in westlichen Comicbüchern vergräbt ….) Das brauche ich definitiv. ♥

    Liebste Grüße!
    Gabriela

    PS: Wie kannst du es wagen, Sailor Moon zu kritisieren?! Wenn Sailor Mars herumspringt und man die Schlüppi sieht, dann MUSS das so! 😀

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