Comics / Graphic Novels · Rezensionen

Rezension „Das Graveyard-Buch“ von Neil Gaiman ★★★★

Wunderschöne und stimmungsvolle illustrierte Adaption des gleichnamigen Kinderbuches.

Wenn der Friedhof dein Zuhause ist

In einer finsteren Nacht ermordet ein Mann eine Familie in ihrem Haus. Nur das jüngste Kind kann bis zum Friedhof fliehen. Hier gehen gute Geister um, die den Waisenjungen prompt adoptieren. Sie taufen ihn Nobody und verbieten ihm, den Friedhof zu verlassen. Über die Jahre sind die Geister, ein Vampir und eine Werwölfin seine Lehrmeister. Sie bereiten ihn auf einen Kampf vor. Denn der Mörder seiner Eltern hatte es auf Nobody abgesehen, und der Junge schwebt nach wie vor in Lebensgefahr ….(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Das Messer hatte einen Griff aus poliertem schwarzem Knochen und eine Scheide,
die feiner und schärfer war als jede Rasierklinge.
Schnitt es jemanden, merkte der vielleicht gar nicht,
dass er verletzt war; nicht sofort.
Das Messer hatte beinahe alles erledigt, wozu es ins Haus gebracht worden war,
und Klinge und Griff waren feucht.“
(S. 7 – Anfang)

Dieses Buch ist eine neue und illustrierte Adaption des Romans „Das Graveyard-Buch“ von Neil Gaiman. Ich selbst kenne den Roman nicht, kann daher keinen Vergleich ziehen. Diese Graphic Novel konnte mich jedoch durchwegs begeistern.

In einer verhängnisvollen Nacht wird fast eine ganze Familie ermordet. Mutter, Vater und Tochter…nur der kleine Junge überlebte. Er tappte in seiner Abenteuerlust mitten in der Nacht aus dem Haus und gelangte so zum benachbarten Friedhof. Sehr zur Überraschung der dort lebenden Geister. Da der Junge immer noch in Gefahr schwebt vom Mörder seiner Familie entdeckt zu werden, nehmen sich die Geister seiner an – die Geister und Silas. Obwohl Silas kein Geist ist, ist er Ehrenbürger des Friedhofes. Silas ist weder tot noch lebendig und etwas Geheimnisvolles umgibt ihn. Obwohl die wirklich angesprochen wird was Silas ist, ist dem Leser von Anfang an klar, dass es sich bei ihm um einen Vampir handelt. Er erklärt sich selbst zum Vormund und Beschützer von dem Jungen, welcher nun den Namen „Nobody“ trägt.
Mit Bod erlebt man allerhand Abenteuer. Man entdeckt ein uraltes Hügelgrab, das vom Indigomann und dem Sleer bewacht wird, man wird vom Herzog von Westminster, dem Erzbischof von Bath und Wells und dem ehrenwerten Archibald Fitzhugh entführt und macht dabei die Bekanntschaft vom 33. Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Schriftsteller Victor Hugo – übrigens alle nun Ghule. Man bekommt eine alte Schachtel als Aufpasserin aufs Auge gedrückt, die jedoch nicht das zu sein scheint was sie ist und begibt sich in Gefahr, weil man das Friedhofsgelände verlässt.
Doch die wirkliche Gefahr ist der Mörder seiner Familie, der noch immer auf der Suche nach Bod ist und immer näher kommt.

 

„Die tote Sonne ging unter, und zwei Monde stiegen auf.
Einer von ihnen hatte die gleiche blaugrüne Farbe wie verschimmelter Käse.
Das Ghulvolk hielt an und schlug ein Lager auf.
‚Der berühmte Schriftsteller Victor Hugo‘ holte einen Sack mit Sargbrettern hervor,
und bald brannte ein Feuer.“
(S. 92)

Jedes Kapitel wurde von einem anderen Illustrator gezeichnet. Alles Illustratoren, die dem ein oder anderen Comic-Liebhaber mit Sicherheit ein Begriff sind, da diese sich in der Szene schon einen Namen gemacht haben:

Kapitel 1 + Kapitel 8
Illustriert von Kevin Nowlan; Comicautor, Colorist und Illustrator aus Nebraska; bekannt durch diverse Marvel-Comics.

© Pink Anemone

Kapitel 2 
Illustriert von P. Craig Russel – Comicautor, Künstler und Illustrator aus Ohio; bekannt durch z.B. „Sandman“ und „American Gods“ (beide ebenfalls gemeinsam mit Neil Gaiman), aber auch durch diverse Thriller

Kapitel 3
Illustriert von Tony Harris – amerikanischer Comic-Künstler, bekannt durch Comic-Serien, wie z.B.: „Iron Man“, „Starman“ und „Ex Machina“.
Scott Hampton – US-amerikanischer Comiczeichner, bekannt durch Comic-Serien wie z.B.: „Batman“, „Sandman“ (gemeinsam m. Neil Gaiman) und „Star Trek“.
Galen Showman – Illustrator von  Comics und Kinderbüchern; bekannt durch z.B.: „Renfield – A Tale of Madness“.

© Pink Anemone / Scott Hampton-Illustration

Kapitel 5
Jill Thompson – US-amerikanische Comiczeichnerin, Autorin und Illustratorin; bekannt durch z.B.: ihre eigene Scary-Godmother-Serie und auch bei Nei Neil Gaimans „Sandman“ hat sie mitgearbeitet.

Zwischenkapitel
Stephen B. Scott – Illustrator vieler Maverl-Comics

Kapitel 6
David Lafuente – Spanischer Illustrator (nun in London lebend), bekannt durch z.B.: „Sandman“

Kapitel 7
wurde wieder von Scott Hampton illustriert

Kapitel 8
wurde wieder von Galen Showman, gmeinsam mit Kevin Nowlan illustriert

Alle davon sind durchwegs gelungen und fangen die Story und auch deren Atmosphäre gekonnt ein. Ich persönlich, als Comic-Neuling, bin vor allem von den Illustrationen von Kevin Nowlan und Scott Hampton schwer begeistert. Galen Showman richtet sich sogar manchmal bei Zeichnungen von Grabsteinen über die Grabinschrift direkt an den Leser.

© Pink Anemone

Dieser Comic besticht also nicht nur durch die spannende, fesselnde und auch witzige Story, sondern vor allem auch durch die Liebe zum Detail.
In der Mitte des Buches kommt es stellenweise zu ein paar langatmigen Stellen. Durch die stimmungsvollen Illustrationen werden diese jedoch abgeschwächt. Ich wäre neugierig, ob diese Längen auch beim Kinderbuch selbst bestehen und wie ausgeprägt diese darin sind.
Die Altersbeschränkung für diesen Comic lautet ab 16 Jahren. Dem kann ich nicht vollends zustimmen. Da die Story doch etwas Kindliches an sich hat, wäre es für mich schon ab 13/14 Jahren geeignet (ich habe mit 13 Jahren Stephen King gelesen und aus mir ist auch was geworden und zwar keine Psychopathin).

Die Ausgabe ist ein Hardcover in qualitativer Aufmachung. Ohne Schutzumschlag ist dieses Buch zwar schlicht, macht jedoch trotzdem eine gute Figur im Regal.

© Pink Anemone

Fazit:
Mit „Das Graveyard-Buch“ hält man eine wunderschöne und stimmungsvolle illustrierte Adaption des gleichnamigen Kinderbuches in den Händen. Eine Graphic Novel nicht nur für Kinder ab 13/14 Jahren (persönliche Altersempfehlung), sondern durchaus auch für Erwachsene, ergo eine tolle Gruselgeschichte für groß und klein.

© Pink Anemone

© Pink Anemone

 

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Leseprobe (über Eichborn-Verlag)

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Weitere Buchinformationen:

Bildquelle: Amazon & Link

 

  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1. Aufl. 2015 (8. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3847905945
  • ISBN-13: 978-3847905943
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
  • Persönlich empfohlenes Alter: Ab 13/14 Jahren
  • Originaltitel: „The Graveyard Book“
  • Preis: 29,99€ (Stand vom 19.07.2018)
  • Auch erhältlich als: E-Book

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Weitere rezensierte Werke des Autors:

Sandman-Reihe:

  1. „Präludien & Notturni“ (Deutsch)

 

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Autoren-Info:

© Kyle Cassidy

Neil Gaiman wurde 1960 in Portchester, England geboren. Er studierte Journalismus und veröffentlichte währenddessen sein erstes Buch, sowie mehrere Zeitungsartikel. Sein Interesse an Comics lebte wieder auf und er begann, wieder selbst zu zeichnen. Für mehrere Verlage schrieb er eine Vielzahl an Comics, dabei ist seine „Sandman“-Serie am bekanntesten. Anfang der 90er Jahre wanderte Gaiman nach Amerika aus und widmete seine Aufmerksamkeit der erzählenden Literatur und verfasste einige Romane, Novellen, Kurzgeschichten und Kinderbücher. Im Dictionary of Literary Biography ist er als einer der wichtigsten, lebenden Autoren der Postmoderne aufgeführt. Neil Gaiman ist verheiratet und Vater von vier Kindern. HIER gelangt Ihr zu seiner offiziellen Webseite.

 

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6 Kommentare zu „Rezension „Das Graveyard-Buch“ von Neil Gaiman ★★★★

  1. Ohhh, das sieht wirklich toll aus! Ich fand ja den Roman allein schon super, aber da bekommt man wirklich Lust, sich die Geschichte nochmal zu Gemüte führen. Total cool, dass es unterschiedliche Illustratoren gibt. Danke für den tollen Tipp 🙂

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