Kinder- & Jugendbücher · Rezensionen

Rezension „Emma, der Faun und das vergessene Buch“ von Mechthild Gläser ★★★★★

Eine wunderschöne und spannende Story mit einem Touch von „Stolz und Vorurteil“ und welche einen wieder an Bücher mit Magie glauben lässt.

Magie, Stolz und Vorurteil

Als Emma beim Aufräumen in der Bibliothek ihres Internats ein altes Notizbuch findet, denkt sie zunächst, es wäre eine Art Chronik der Schule. Aber es ist genau umgekehrt: Alles, was man in dieses Buch hineinschreibt, wird tatsächlich wahr.
Natürlich beginnt Emma sofort damit, den Schulalltag auf Schloss Stolzenburg ein wenig zu „korrigieren“. Doch nichts geschieht so, wie sie es sich gedacht hat. Zumal auch schon früher Chronisten das Buch genutzt haben. Zum Beispiel eine junge Engländerin, die Ende des 18. Jahrhunderts ein Märchen über einen Faun verfasst hat und später eine erfolgreiche Schriftstellerin wurde. Oder Gina, die vor vier Jahren plötzlich verschwand, nachdem sie ihre Geheimnisse der Chronik anvertraut hatte.
Als sich jetzt auch noch Ginas Bruder Darcy einmischt, ist das Chaos perfekt. Denn Emma und Darcy sind einander in herzlicher Abneigung zugetan – zumindest glauben das die beiden….(Klappentext)

© Pink Anemone

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„Wenn ein Mädchen dazu bestimmt ist, eine Heldin zu werden, dann wird das Schicksal schon dafür sorgen, dass etwas in ihre Hände gerät, womit genau das möglich ist.“
(S. 94)

Emma, ein 16-jähriges Mädchen, kehrt nach den Sommerferien völlig euphorisch ins Internat zurück. Dieses Jahr soll alles anders werden – besser. Wenn sie nur gewusst hätte WIE anders alles werden wird.
Nicht nur, das sie beim Entrümpeln der alten Schlossbibliothek auf ein geheimnisvolles Chronic-Buch stößt, welches voller Magie zu stecken scheint und alles wahr wird, was man hineinschreibt. Auch dieser arrogante Darcy de Winter, ein ehemaliger Schüler und Nachkomme des einstigen Grafen und Schlossherrn, macht ihr das Leben schwer. Dieser arrogante Schnösel ist auf der Suche nach Hinweisen, um seine Zwillingsschwester zu finden, welche vor 4 Jahren im Internat auf mysteriöse Weise verschwand.
Alles scheint irgendwie zusammenzuhängen und ebenso scheint alles bald unkontrolliert um Emmas Ohren zu fliegen.

Könnt Ihr Euch noch an diese ganz bestimmten Bücher Eurer Kindheit und Jugend erinnern, welche Euch ganz und gar vereinnahmt haben, Euch auf diese ganz spezielle Art und Weise in fremde Geschichten und Welten versetzten?
Als ich 10 Jahre war, verschlang ich alle „Hanni und Nanni“-Bücher (und allgemein alle Bücher mit Internatsgeschichten), reiste mehrmals mit dem „Zauberer von Oz“ in eine verrückte magische Welt und klärte mit den „Fünf Freunden“ spannende Fälle. Als Kind hatte man irgendwie einen anderen Zugang zu Büchern, es war ein wahres Erlebnis diese Bücher zu lesen und sie riefen ganz eigene „Lesegefühle“ in einem aus. Dieses Gefühl verliert man leider im Verlauf des Erwachsenwerdens und hin und wieder sehnt man sich nach dieser kindlichen „Buchmagie“.
Dieses Buch schaffte es, mich während des Lesens wieder wie damals als Kind zu fühlen. Ich tauchte nach langem wieder in ein Internatsleben ein, begab mich auf eine Reise in eine verrückte magische Welt, die zwischen zwei Buchdeckeln steckt und zum Ende hin wurde auch noch ein spannender Fall daraus.
Hier versteckt sich also eine Mischung aus „Hanni und Nanni“, eines magischen Märchens und eines Mystery-Krimis.

© Pink Anemone

„Später fragte ich mich manchmal, was geschehen wäre, wenn ich nicht darauf gestoßen wäre. Wenn wir gar nicht erst in die Bibliothek gegangen wären. Oder, wenn ich es zwar gefunden, aber einfach beiseite gelegt hätte,. Wenn ich es irgendwo in ein Regal geschoben hätte? Was wäre dann geschehen?“
(S. 14)

In diesem Jugendbuch ist außerdem ein mutiges, selbstironisches und freches Mädchen die Protagonistin, dessen Welt sich nicht ständig um Aussehen, Jungs und Nagellack dreht – endlich! Natürlich gibt es hier auch Schulbälle und natürlich ist auch die erste Liebe ein Thema, aber dabei verliert sich Emma nicht und schmachtet nicht ständig vor sich hin. Sie hat Wichtigeres zu tun, nämlich inter das Geheimnis dieses Buches zu kommen und so Magie in ihr Leben zu lassen. Auch wenn dann alles anders verläuft, als sie es geplant und sich vorgestellt hat.

Als Jane Austen-Fan bin ich natürlich doppelt begeistert, da es sich hier um eine kleine und magische Adaption des Klassikers „Stolz und Vorurteil“ handelt, in der auch Jane Austen vorkommt, wenn auch unter einem anderen Namen. Es hat Spaß gemacht Charaktere aus diesem Literaturklassiker und Parallelen zu dieser Story zu entdecken. Doch auch LeserInnen, die Jane Austen und ihr Werk „Stolz und Vorurteil“ nicht kennen werden hier auf ihre Kosten kommen. Ich bezweifle nämlich, dass viele 12-jährige diesen Klassiker schon kennen. Es ist einfach nur ein kleines Lese-Goodie für diejenigen die ihn kennen.

Der Schreibstil ist einfach und locker und man liest aus der Ich-Perspektive von Emma. Zwischendurch erhält man aber auch Einblick in das Buch selbst und in das bereits Geschriebene, was sich sehr interessant liest und einen düsteren Touch beinhaltet.

© Pink Anemone

Die Charakterzeichnung von Emma ist gelungen und vor allem authentisch. Wir begleiten ein noch etwas naives aber auch mutiges und sehr humorvolles Mädchen, welches dabei ist sich zu entwickeln.
Die Story selbst fängt eher ruhig an und man erhält einen Einblick in das Internatleben, doch man ist immer von dieser Magie umgeben, welche aus diesem Buch strömt. Im Verlauf und vor allem zum Ende hin wird es immer spannender und es kommt auch zu der ein oder anderen überraschenden Wendung.

„Mit einem Mal lag ein Wispern in der Luft, ein Flüstern, so leise, dass ich es mehr fühlte, als hörte. Ein raschelndes Murmeln, ein Summen, das die Härchen auf meinem Arm zum Vibrieren brachte und beinahe nach einem Namen klang. Meinen Namen.“
(S. 22)

Fazit:
Es ist äußerst selten, dass ein Buch in mir dieses bestimmte Lesegefühl hervorruft, welches ich als Kind und Jugendliche so sehr liebte. Dieses Buch hat es geschafft und ließ mich nostalgisch träumen und schließlich begeistert zurück.
Für alle die überzeugt sind, dass Bücher magisch sind, auch wenn sie keine verstaubten Chronic-Bücher wie in dieser Story sind.

„Und ich warte
zwischen den Zeilen, im Dunkel dieser einen Nacht,
höre ich zarte
Flügel sich eilen,
sich nähern mit des Donners Macht.
Wie wünscht ich andre Worte mir,
ein neues Buch und mehr Papier!“
(Auszug aus dem Faunlied / S. 413)

© Pink Anemone

© Pink Anemone

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Leseprobe

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Weitere Buchinformationen

 

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Loewe (13. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785585128
  • ISBN-13: 978-3785585122
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre
  • Preis: 18,95€ (Stand vom 30.04.2019)
  • Erhältlich auch als: E-Book
© Pink Anemone

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Autoren-Info
©Barbara Müller

Mechthild Gläser wurde im Sommer 1986 in Essen geboren. Auch heute lebt und arbeitet sie im Ruhrgebiet, wo sie sich neben dem Schreiben ihrem Medizinstudium widmet und außerdem ab und an unfassbar schlecht Ballett tanzt – aber nur, wenn niemand hinsieht. Sie liebt es, sich fantasievolle Geschichten auszudenken, und hat früh damit begonnen, sie zu Papier zu bringen. Inspiration dafür findet sie überall, am besten jedoch bei einer Tasse Pfefferminztee. HIER gelangt Ihr auf den Blog der Autorin.

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