Herrlich schaurig-blutiges Lesevergnügen aus österreichischer Feder. Ein Highlight!
Achtung! Im Anschluß gibt es ein Rezept zum Buch. Dort kommt Ihr in den Genuß einen Tee aus dem berühmten fiktiven MORBUS-Cafè „Zeitstop“ zu probieren.
Das Traum-Wien
Wien 1984. Schreckliche Albträume stören den Schlaf der Städter. Finstere Mächte manipulieren die Energien von Wien. Ein geheimnisvoller Fremder sorgt für Spannungen unter den übernatürlichen Wesen.
Thomas Steinbecker, Magier der Geheimorganisation BASILISK, versucht das Geheimnis hinter den seltsamen Vorgängen zu enträtseln. Doch dieses Mal kann er nicht mit der Hilfe seiner Mitstreiter rechnen. Darum schart er eine Gruppe ungewöhnlicher Verbündeter um sich: ein lebendiges Skelett, eine Salzgurkenverkäuferin aus dem Prater und die eigensinnigste Tochter des Donaufürsten. Gemeinsam begeben sie sich auf ein Abenteuer jenseits des Wiens, das sie kennen. Sie ahnen nicht, welcher Schrecken dort auf sie wartet. Die Herrin der Albträume regiert diese Welt und sie kennt keine Gnade… (Klappentext)

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„Heut gemma die Toten anschau’n,
du wirst deine Aug’n ned trau’n,
wie sie schlitzen und schlatzen,
und am Sargdeckel kratzen,
du wirst deine Aug’n ned trau’n.Heut gemma die Toten anschau’n,
die hinichen Mandln und Frau’n.
Da liegen’s in da Gruab’n,
da frein sie die Wurm
über die hinichen Mandln und Frau’n.“
(S. 114)
Dies ist der 4. Band der MORBUS-Reihe und es sind natürlich auch wieder zwei Geschichten aus dem MORBUS-Universum enthalten. Dieser Band spielt parallel zum 3. Band „Im Zeichen des Terrors“. Bei diesen beiden Bänden ist es also egal, ob man zuerst den 3. oder 4. Band liest. Man sollte jedoch beide nach dem 2. Band „Bei Vollmond bist du tot“ lesen.
Und nun möchte ich Euch die beiden Storys etwas näher vorstellen…
I. Besucher aus dem Schattenreich
Seit den Vorfällen, bei denen ein Werleopard in Wien sein Unwesen trieb und ein geheimnisvoller Gegner daran nicht ganz unschuldig zu sein scheint, ist ein Monat vergangen.
Die Geheimloge BASILISK, deren Aufgabe seit Jahrhunderten darin besteht Wien vor geheimnisvollen Kreaturen und mysthischen Wesen zu beschützen, welche nichts Gutes im Sinn haben, muss unbedingt mehr über diesen Gegner in Erfahrung bringen.
Die Zeit drängt, denn es scheint das Tor zum Wien der Träume geöffnet worden zu sein. Dort drüben lauert etwas Dunkles und möchte sich Zutritt in das Wien der 80er Jahre verschaffen. In Schönbrunn bei der Kleinen Gloriette hat alles begonnen und rund um diesen Bereich sterben seither kleinere Tiere und die Natur.
Gleichzeitig werden Wiens Bewohner von Albträumen geplagt, so furchteinflößend und real, sodass es zu grausigen Vorfällen kommt.
Um dies alles aufzuklären, muss sich das Team BASILISK aufteilen. Während Harry – der Chef, Walter – der Bibliothekar, Petra – das Grufti-Girl und Bernd – der mürrische Privatdetektiv, zu einem anderen Fall gerufen werden, muss Thomas – junger Magier und Jus-Student, ein eigenes Team gründen. Dieses Team besteht aus Grimm – dem Skelett aus der Prater Geisterbahn, der eine unglaubliche Angst vor Spinnen hat (immerhin könnten sich diese Viecher zwischen seinen Gebeinen häuslich niederlassen), Wendy – Salzgurkenverkäuferin im Prater, und Loreley – dem jungen Donauweibchen, welches immer ausbüchst, um Menschendinge zu machen.
Sie vermuten, dass der unheimliche Kerl mit dem Zylinder hinter allem steckt, denn überall wo er auftaucht wird es dunkel und düster und das Knacken von Knochen begleitet ihn auf seinen Wegen.

„Doch man hatte ihn erwischt. Ihm seine Knochen gebrochen, seinen Körper zermalmt und ihn verflucht, auf ewig so herum zu wandeln, ohne ganz sterben zu können.“
(S. 59)
II. Die Herrin der Albträume
Die Geschichte rund um den geheimnisvollen Zylinder-Mann mit den knackenden Knochen geht weiter und unsere Gruppe kommt dem Geheimnis und den bösen Machenschaften immer näher.
Während im ersten Teil die Herrin der Albträume nur nebenbei erwähnt wird, tritt sie hier in den Vordergrund. Wer dachte der erste Teil wäre schon creepy und grausig, dem werden hier die Ohren wegfliegen.
Mit Thomas, Grimm, Wendy und Loreley begibt man sich in das Traum-Wien und betritt so das alte Wien, in dem die Pestepidemie wütet.
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Die MORBUS-Reihe ist eine Mystery-Reihe, welche eine Story enthält, die keinem bestimmten Genre zugeordnet werden kann. Es ist eine Mischung aus Mystery-Thriller, Gruselroman und Phantastik, in der sich das Setting im Wien der 80er Jahre befindet.
Hier begegnet man nicht nur uralten und skurrilen Figuren, sondern auch Gestalten aus alten Sagen und Mythen und lernt so manches über das historische Wien kennen. Dabei wandelt man mit den Protagonisten durch Wiens Gassen und betrachtet so manche Sehenswürdigkeit von seiner düsteren Seite.
Auch historische Persönlichkeiten dürfen hier nicht fehlen und diese werden in das unheimliche und grausige Geschehen eingebettet. So kann es durchaus passieren, dass der Fürst Schwarzenberg und sogar die Kaiserin Elisabeth ihre Hände aus längst vergangener Zeit in die 80er Jahre strecken.

„Die Kleine Gloriette war wie ein gewaltiger, missgestalteter Schädel, der das Licht der Welt zu verschlingen drohte. Der Weg war ein Bach aus schwarzen Tränen, die wie Pech an den Tieren klebten und ihnen die Energie raubten.“
(S. 70)
Es ist also im gewissem Sinne ein Wienführer der etwas anderen Art, mit viel Lokalkolorit, jedoch auch blutig, ekelerregend und brutal. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass es einem vor Ekel schüttelt, man entsetzt die Luft anhält und auch gleichzeitig schmunzeln muss, denn der trockene und oft typisch morbide Wiener Humor kommt hier ebenfalls nicht zu kurz. Das Buch löst beim Lesen also eine wahre Gesichtsakrobatik aus.
Der Schreibstil ist flüssig und der Erzählstil unglaublich mitreißend und fesselnd. Dichte Atmosphäre, überraschende Wendungen und Cliffhanger machen dieses Buch zu einem wahren Lesevergnügen.
LeserInnen mit sensiblem Magen sollten jedoch darauf achten nicht unbedingt kurz vor dem Lesen etwas zu essen, denn der Autor schreibt nicht nur atmosphärisch, sondern auch plastisch.
Nicht jeder könnte es verkraften in einer Pestgrube zu liegen, während neben einem die Pestbeulen der Leichen aufplatzen und sich der Inhalt über einem ergießt. Nur mal so als Beispiel.

„Die Kreatur, die lautlos aus dem Spalt kroch, war nicht einmal einen halben Meter hoch, hatte krallenbesetzte Hände und Gänsefüße, war prall und von Kopf bis Fuß mit dichtem schwarzem Haar übersät. Trotz der Leibesfülle und den schweren Brüsten, die vor dem Körper baumelten, kletterte das Wesen geschickt wie ein Affe auf das Bett und hockte sich auf die Brust der schlafenden Katzenbesitzerin.“
(S. 15)
Im Anschluß ist noch eine Kurzgeschichte enthalten. In „Felis Alba“ wird die Sage der weißen Katze lebendig, welche im Katzensteighaus im Bermudadreieck ihr Unwesen treibt und die Bewohner sind dort auch nicht ganz koscha.
Weiter ist natürlich wieder ein Dialekt-Glossar enthalten.
Diesmal haben die Comic-Zeichnerinnen Bianca Haloun und Isabelle „Synthe Sizer“ Griessenberger (übrigens einer meiner Favoriten unter den Comic-ZeichnerInnen weltweit) wieder äußerst gelungene Illustrationen beigesteuert.
Hier muss ich jedoch gleich wieder anprangern, dass ich mir mehr dieser Illustrationen in den MORBUS-Büchern wünschen würde, und ich werde nicht müde dies immer wieder zu betonen, denn vielleicht geht mein Wunsch dardurch irgendwann in Erfüllung *g*.
Das Cover wurde von dem Illustrator Stefan Gutternigh erschaffen und sieht ebenfalls absolut abgefahren aus, wenn ich das mal so sagen darf.

Fazit:
Ich bin seit des ersten Bandes Fan dieser morbiden, gruseligen und gleichzeitig witzigen MORBUS-Reihe. Doch dieser Band konnte mich besonders begeistern .. ja, mich nahezu vor Begeisterung vom Hocker reißen.
Diesen Band habe ich regelrecht verschlungen und erst als ich ihn mitten in der Nacht zu Ende gelesen hatte, zufrieden zugeklappt. Und nun bin ich versucht die Pfade der Protagonisten real zu beschreiten … vom Wienfluß zur Hofburg und von der Hofburg zum Katzensteighaus im Bermudadreieck.
© Pink Anemone

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Leseprobe
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Reihenfolge
- „Blutschwur der Donauleichen“ (2018)
- „Bei Vollmond bist du tot“ (2019)
- „Im Zeichen des Terrors“ (2019)
- „Die Herrin der Albträume“ (2019 – kann eigenständig gelesen werden)
- „Der Schlächter von Simmering“ (2020)
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Weitere Buchinformationen
Rezensionsexemplar mit herzlichem Dank an Werner Skibar!
- Taschenbuch: 244 Seiten, Deutsch
- Verlag: Morawa Lesezirkel 2019, 1. Auflage,
- ISBN-10: 399084475X
- ISBN-13: 9783990844755
- Preis: 12,99€ (Stand vom 22.11.2020)
- Auch erhältlich als: HC und E-Book

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Autoren- und Illustratoren-Info
Werner Skibar (alias Charly Blood)

Geboren in Graz und aufgewachsen in der dunklen und geheimnisvollen Weststeiermark, kam er schon früh mit den dunklen Seiten des Daseins in Kontakt. Schon als Kind entdeckte er seine Liebe zu Comics – besonders zu den Gespenster Geschichten. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis er wahre literarische Klassiker wie Larry Brent, Dämonenkiller, Damona King und Der Hexer zu verschlingen begann. Schließlich verfaßte er dann auch eigene Werke, um der Welt das Grauen zu lehren. Derzeit widmet er sich der Groschenheftserie MORBUS, welche nun neu verlegt wird.
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Isabelle Griessenberger (alias „Synthe Sizer“)

Die talentierte Illustratorin aus der Comic-Klasse der Kunstschule Wien war bereits auf vielen Comic-Messen vertreten und präsentierte 2017 ihre fantastischen Werke auch auf der „Kunstfieber“ in Fieberbrunn.
Sie zeichnet derzeit Titelbilder und Comics für die österreichische Superhelden-Reihe „Austrian Superheroes (ASH)“.
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Bianca Haloun

Bianca wuchs am Rande von Wien auf und entdeckte schon früh ihre Leidenschaft fürs Zeichnen. Diese Neigung beeinflusste die Wahl ihrer Ausbildung, die sie mit einer Diplomarbeit – einem von ihr geschriebenen, gelayoutetem und illustriertem Buch über chinesische Pagoden-Architektur – abgeschlossen hat. Heute setzt sie mit ihrem Talent Zeichnungen, Malereien und Illustrationen um. Sie beschäftigt sich außerdem mit Handwerk, Modellarbeiten und der Fotografie.
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Stefan Gutternigh

Stefan (geb. in Wien 1980) ist ausgebildeter Grafik-Designer. Nach der Werbeakademie am Wifi Wien machte er sich selbständig und sammelte unterschiedlichste Erfahrungen bei zahlreichen Projekten. Er war sowohl für Direktkunden als auch für Agenturen tätig und betreute bei der Agentur Dorland Vienna die Hauptkunden Volvo Austria und Milford als Art Director. Von 2010-2015 war er bei Palmers als interner Grafiker und Art Director angestellt und war unverzichtbarer Teil des visuellen Auftritts dieser Marke. Seit Mai 2015 ist er mit seiner Partnerin Eva Amann unter dem Namen 4eyes2view selbständig. Gemeinsam bieten sie Grafik, Fotos und Videos an. 2016 hat Stefan sein erstes comicbuch „Pest 1435“ veröffentlicht. Im Frühling 2018 wurde sein nächster Comic „The Common Good“ erfolgreich auf Kickstarter finanziert.
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Rezept zum Buch
Alis Relaxtee
Im fiktiven Cafè „Zeitstop“, welches sich in einer kleinen Seitengasse tief im Inneren Wiens befindet, läuft die Zeit anders. Ali, der Inhaber, weiß alles und kann alles … zum Beispiel den besten Kaffee in ganz Wien brühen, den leckersten Toast weltweit grillen und eben auch Tees servieren, welche eine ganz besondere Wirkung haben – wie z.B. seinen berühmten Relaxtee. Danach ist einem wirklich alles wurscht. Ihr wollt in die Teeküche von Ali blicken? Dann klickt auf das Bild und schon gelangt Ihr zum Rezept….

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